Beiträge aus der Kategorie "Nahrungsmittelkrise"

Interview der Woche 51: Flurina Wartmann, Programmmitarbeiterin bei Biovision

Bild 16Biovision unterstützt ein Projekt zur Kamelhaltung in Nord-Kenia, denn Kamele bieten den Menschen auch in Dürrezeiten eine Überlebensgrundlage. Durch die Bekanntheit der drei Könige haben Kamele auch bei uns eine starke Symbolkraft, nicht nur an Weihnachten. Flurina Wartmann arbeitet als Programmmitarbeiterin für Biovision.


Welche Ziele werden im Kamel-Projekt verfolgt?

Die Menschen in den trockenen und halbtrockenen Gebieten im Norden Kenias sind hauptsächlich Viehhalter. Durch die immer wiederkehrenden Dürren sterben allerdings ihre Rinderherden, weil die Tiere zu wenig Wasser und Futter finden. Die Folgen sind Armut und Hunger für die Bevölkerung, die von der Nahrungsmittelhilfe abhängig wird. Um die Ernährungssicherung zu verbessern und den Familien eine eigenständige Entwicklung zu ermöglichen, finanziert die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) den Aufbau von Kamelhaltung in Nord-Kenia. Die lokalen Partner vor Ort, Véterinaries Sans Frontières Suisse (VSF) konnten so an 300 Haushalte je 1 weibliches Kamel und 5 Ziegen abgeben. Die Ziegen helfen den Familien sofort und sind sozusagen das Haushaltsgeld, da sie wichtige Milch liefern und in der Not geschlachtet werden können. Das Kamel ist eine längerfristige Investition in die Zukunft der Familie, also eine Art Bankkonto. Kamele werden überaus wertgeschätzt, unter anderem als Lasttiere. Sie liefern hochwertige Milch, die der Familie in Notzeiten über die Runden hilft oder auf dem Markt verkauft werden kann.

Die Stiftung Biovision unterstützt die Initiative von VSF Suisse, indem wir Trainings und Informationsmaterial finanzieren, dank denen die neuen Kamelhalterinnen und Kamelhalter den richtigen Umgang mit ihren Tieren lernen. Bei meinem Besuch im vergangenen Juli konnte ich einem Training beiwohnen, an dem die Kamelhalterinnen und Kamelhalter lernten, wie Kamelstuten ihre Jungen zur Welt bringen und wie man sich dabei richtig verhält. Weitere Themen waren die korrekte Impfung von Kamelen und wie man ihnen ein Halfter anlegt.


Welche Vorteile haben Kamele?

Im Gegensatz zu Kühen sind Kamele viel besser an die harschen Bedingungen in Nord-Kenia angepasst. Sie überleben länger ohne Wasser und können so auch weite Strecken von Wasserstelle zu Wasserstelle zurücklegen, ohne zu verdursten. So können sie wesentlich längere Dürreperioden überstehen als Rinder. Kühe sind auf Gras angewiesen und grosse Herden überweiden ein Gebiet sehr schnell. Kamele hingegen sind genügsamer und ernähren sich zum Beispiel von Akazienblättern und Blättern dorniger Sträucher, welche Kühe verschmähen. Mit ihren harten Hufen hinterlassen Rinderherden regelrechte Trampelpfade. Die nbso online casino reviews Kamele mit ihren weichen Sohlen schonen die empfindlichen Böden. Damit sind Kamele ideal angepasst an die Bedingungen in Nord-Kenia und eine gute Alternative zur Rinderhaltung.


Inwiefern unterscheiden sich die behirteten von wilden Kamelen?

Ein gutes Beispiel diesbezüglich ist Australien: Dort wurden Kamele als Lasttiere eingeführt und verwilderten, wodurch sie sich unkontrolliert vermehren. Die Pflanzen in Australien waren zudem auf solche Tiere nicht vorbereitet. Die Situation in Ostafrika ist völlig verschieden, dort hat die Kamelhaltung in gewissen Kulturen eine lange Tradition, beispielsweise in Somalia.


Welche Erfahrungen machen die Menschen in Nord-Kenia im Umgang mit den Tieren?

Die Menschen schätzen Kamele sehr, weil sie so genügsam sind und lange ohne Wasser auskommen. Die Trainings sind wichtig für die neuen Kamelhalterinnen und Kamelhalter, damit sie den richtigen Umgang mit den Tieren erlernen können. Die Teilnehmenden waren sehr wissbegierig und haben den Trainern viele spezifische Fragen gestellt. Bei den Trainings habe ich gemerkt, dass die Menschen ziemlichen Respekt vor den Tieren haben, weil sie so gross und stolz sind. Allerdings haben mir Frauen erzählt, dass sie sich vor Kamelen nicht fürchten wie vor Rindern. Sie hätten Angst, eine Rinderherde zu hüten, denn wenn diese verängstigt wird, können sie die Frauen zertrampeln. Kamele seien weniger ängstlich und liessen sich leichter hüten, meinten die Frauen.

Interview of the Week 33: Dr. Getachew Tikubet, Founder of BioEconomy Africa from Ethiopia

Dr. Getachew Tikubet

Dr. Getachew Tikubet

Dr. Getachew Tikubet and his wife Dr. Selamawit Asseffa, both from Ethiopia, have founded BioEconomy Africa (BEA), one of Biovision”s partner organizations in East Africa for projects like Tsetse Rollback/Biofarming. We met Dr. Tikubet for this interview in Zurich during his visit to the exchange programme between farmers and agricultural trainers from Switzerland and Ethiopia. Biovision supported the exchange programme that was jointly organized by BEA and Plantahof, the agricultural training institute in Landquart.


What”s the basis for the collaboration between BEA and Biovision?

Due to my past as a researcher on tsetse flies and Biovision’s support for tsetse control projects in Ethiopia I have known Biovision for seven years. Five years ago we started working together. Biovision and BEA share a common mission which is to foster ecological and sustainable development. BEA looks at development as a system which is based on the benefits for communities and the environment. We take into account that sustainable ecological system is the basis for a socially sustainable society as well, where the economic growth scale is within the biophysical limit of the ecosystem. Biovision shares this view and together we believe that knowledge sharing and operational research are the basis for continuous growth and development.


How do farmers and trainers benefit from the exchange programme best online casino with Plantahof?

Ethiopian farmers and trainers can learn from their Swiss colleagues because the highlands and mountains in Switzerland and Ethiopia are comparable. Where Swiss farmers have the winter and snow to cope with when there is no feed on the pasture, in Ethiopia we have the drought. Innovate fodder conservation is important for Ethiopian farmers but the concept is not well developed in Ethiopia. This is a topic that we can profit from the Swiss experience. Another similarity is that Ethiopian and Swiss farmers both work with rather small farm areas. This is why farmers and agricultural trainers from Ethiopia can rather learn from Switzerland than for example from the United States with its huge farm areas and conventional farming systems.


Can you say more about BEA”s activities in Africa?

We started with 7 demonstration sites or “biofarms” in Ethiopia with different set-ups depending on the agro-ecological conditions. In those sites we train communities and farmers in ecological methods. It”s important that the trainings are demand-driven and based on the understanding of agro-ecosystems. We ask farmers what constraints they face and what type of knowledge and capacities they need to overcome them. So far we were able to train over 40″000 farmers all over Ethiopia and some other African countries. Due to the high demand for our concept of biofarms we recently opened another 4 sites in the Democratic Republic of Congo and started a programme with 3 sites in Ivory Coast.

Interview der Woche 23: Thierry Fouquet, Koch auf der "Kulinarischen Reise nach Ostafrika"

Thierry Fouquet ist Chefkoch der Kantine des Zürcher Radiostudios. Daneben engagiert er sich für Cuisines sans Frontières (CSF). Am nächsten Donnerstag kocht er als CSF-Koch an den Afro-Pfingsten im Rahmen der “Kulinarischen Reise nach Ostafrika” von Biovision. Wir haben ihm hierzu einige Fragen gestellt.


Was ist deine Motivation an den Afro-Pfingsten für Biovision zu kochen?

Das Gefühl etwas Gutes zu tun. Ich bin sehr oft im asiatischen Raum unterwegs und sehe dort viel Armut. Oft habe ich das Gefühl es bräuchte nicht viel, um etwas Positives zu bewirken. Man muss einfach den Mut haben, etwas zu verändern. Auch bei meiner aktuellen beruflichen Tätigkeit habe ich viel mit Menschen zu tun, die neue Visionen haben oder gute Ideen entwickeln möchten. Es ist doch schön, wenn man das Gefühl hat, es gehe vorwärts.


Wie bist du vorgegangen beim Zusammenstellen des Menus?

Zuerst habe ich Ideen gesammelt aus verschiedenen Kochbüchern, auch aus afrikanischen. Im Internet habe ich gute Ideen gefunden und auch die Erinnerung an eine Reise nach La Réunion hat mir geholfen. Danach musste ich die Produkte ausprobieren, nbso online casino reviews wozu ich Kollegen zum Essen eingeladen habe. In solchen Situationen, wenn man andere Leute um ihre Meinung bittet, muss man als Koch kritikfähig sein.


Was ist speziell daran mit Maniok zu kochen?

Die Wurzel ist ein geschmacksneutrales Produkt. Dementsprechend kann man beim Kochen viele verschiedene Gewürze verarbeiten. Es ist spannend Maniok mit der regionalen Küche zu verbinden. Überhaupt muss man als Koch immer neugierig sein um Neues zu kreieren und zu entdecken.


Du bist Chefkoch der Kantine des Radiostudios. Steht dort Maniok auch bald auf dem Menuplan?

Leider noch nicht, weil viele Komponenten vorgegeben sind. Das heisst aber nicht, dass ich Maniok nie verwenden kann und ich habe es bereits beim Vorkochen ausprobiert.

Weltweite Nahrungsmittelkrise

Liebe Freunde von Biovision

Auf den heutigen Blog haben Sie ausnahmsweise 2 Monate warten müssen. Im April war ich derart beschäftigt, dass ich einfach nicht dazu kam, Ihnen zu schreiben. Ich entschuldige mich und hoffe auf Ihr Verständnis.

Vielleicht haben Sie aber in den Medien trotzdem etwas von mir gehört oder gelesen und auf diese Art den Grund für meine Arbeitsflut verstanden. Der Welt-Landwirtschaftsrat IAASTD hat am 15. April seinen Schlussbericht veröffentlicht, an dem über 400 Experten (z.T auch aus der Schweiz) vier Jahre lang gearbeitet hatten. Es ging darum, die weltweite Landwirtschaft zu analysieren und den bisherigen Einfluss von Wissen, Wissenschaft und Technologie zu untersuchen. Daraus wurden Vorschläge erarbeitet, um die Forschung im Bereich der Landwirtschaft in eine sinnvolle Richtung zu lenken.

Ich habe diese umfassende Arbeit als Ko-Präsident geleitet und musste – oder besser: wollte –nach Abschluss des Berichts den Medien in der ganzen Welt Red und Antwort stehen. Auch die Schweizer Presse war am Thema sehr interessiert. Schweizer Fernsehen, Schweizer Radio sowie alle grossen Zeitungen haben sich der Sache angenommen, was mich sehr gefreut hat.

Weniger erfreulich ist der Grund für das grosse Interesse: Die weltweite Nahrungsmittelkrise hat uns alle aufgeschreckt. Plötzlich ist allen klar, dass es – in den Worten des IAASTD-Berichts, „so nicht weiter gehen kann.“ Doch selbstverständlich war die Krise voraussehbar, und einschlägige Kreise hatten schon lange davor gewarnt. Im globalen Landwirtschaftsbericht haben wir nun versucht, die Probleme in der Landwirtschaft aufzuzeigen sowie gewisse Lösungsansätze zu bieten.

Zuerst zu den Hauptproblemen – sie werden vor allem in den Entwicklungsländern sichtbar. Dort bräuchte die Landwirtschaft unbedingt Unterstützung durch Forschung, Ausbildung und Zugang zu Information. Doch die Budgets hierfür sind in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker reduziert worden. Ein weiteres Problem: Nahrungsmittel sind sehr ungleich zwischen Norden und Süden verteilt – mit schlimmen Folgen für beide Seiten: Fettleibigkeit und Diabetes bei uns (und neuerdings auch in den Städten der Schwellenländer) – Hunger und Unterernährung in den Entwicklungsländern.

Diese Probleme werden verstärkt durch massive klimatische Veränderungen, eine immer schlechter werdende Bodenfruchtbarkeit, eine wachsende Weltbevölkerung und steigende Energiepreise.

Diese komplexen Probleme müssen angegangen und gelöst werden, indem wir nicht die Folgen, sondern die Ursachen beheben. Wir kommen also zu den Lösungsansätzen, die wir im Bericht aufzeigen. Was wir vorschlagen, ist, dass wir die Vielfalt von Problemen nicht mit einer einzigen Wunderlösung anzupacken versuchen, sondern eben auch mit einer Vielfalt von Lösungsansätzen. Am wichtigsten ist wohl, dass mehr Forschung betrieben wird, um den Bauern in Entwicklungsländern eine nachhaltige Landwirtschaft zu ermöglichen, die nur über fruchtbare Böden zu erreichen ist. Aufteilung und Besitzverhältnisse des Bodens müssen überprüft und geändert werden, um den Bauern den Zugang Land sicherzustellen. Hier ist die Politik gefordert.

Als weiterer entscheidender Faktor ist die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft erkannt worden. Aber noch fehlen ihnen oft adäquate Arbeitsbedingungen und eine gute Ausbildung. Ausserdem ist wichtig, dass eine angemessene Mechanisierung der Landwirtschaft auch in armen Ländern gefördert wird. Nur so kann die Produktivität gesteigert werden.

Was sicher keine Lösung ist, ist der grossflächige Einsatz von Pestiziden oder genetisch manipulierten Pflanzen. Im Gegenteil: Fundierte Untersuchungen zeigen, dass dieser Weg genau das Gegenteil dessen bewirkt, was man möchte. Je kleiner die Artenvielfalt, desto grösser das Risiko von Krankheiten, die sich ungehemmt ausbreiten können. Deshalb fordert der IAASTD-Bericht einen sinnvolleren Umgang mit dem Boden und eine Rückkehr zur kleinräumigen Landwirtschaft, wo die Bauern ihr eigenes Saatgut verwenden können. Nur so wird die genetische Vielfalt gewahrt.

Obschon all dies ziemlich logisch erscheint, ist mir wichtig zu betonen: Es haben längst nicht alle die Dringlichkeit des Problems verstanden. Weiterhin haben die grossen Agrochemie-Firmen einen viel zu starken Einfluss auf die Landwirtschaftspolitik im Norden. Denn natürlich geht es um viel Geld.

Industrieführer und manche Politiker versuchen daher noch immer, das Problem kleinzureden. Und das Gravierende: Gewisse Wissenschaftler unterstützen sie dabei und behaupten, eine industrialisierte Landwirtschaft mit Monokulturen, Pestiziden und Gentechnologie sei die Lösung. Doch nun haben 400 hochkarätige Wissenschaftler mit diesem detaillierten Bericht gezeigt, dass dies nicht der Weg zu einer umwelt- und sozialgerechten Landwirtschaft sein kann.

Klar ist: Wir müssen handeln. Es geht nicht um Gewinne, sondern um eine gemeinsame Zukunft für alle Menschen auf unserem Planeten. Die Nahrungskrise in der Dritten Welt hat mehr mit uns zu tun, als uns lieb ist.

Tun Sie mir einen Gefallen: Verfolgen Sie die Berichterstattung zu diesem Thema und versuchen Sie sich zu informieren. Wir alle sind Konsumentinnen und Konsumenten von Nahrungsmitteln und können mit unserem Verhalten die Art und Weise beeinflussen, wie Nahrung produziert wird.

Herzlich
Hans Rudolf Herren

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