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Deklaration für Rio+20: Es braucht einen Kurswechsel in der Landwirtschaft

Um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können, muss die Landwirtschaft schonender mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Die UNO-Konferenz Rio+20 im Juni soll die Weichen stellen für einen grundlegenden Kurswechsel in der globalen Agrar- und Ernährungspolitik. Das ist die Kernforderung der Deklaration „Nahrung für alle, natürlich“, welche hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Regierungen, internationalen Organisationen und Wissenschaft anlässlich einer Roundtable-Veranstaltung am 15. und 16. März 2012 in New York gestellt haben. Die Veranstaltung fand auf Einladung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Schweizer Stiftung Biovision und des Millennium Institutes, mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und weiteren Organisationen statt.

Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel in Rio von 1992 werden im kommenden Juni an der UNO-Konferenz für nachhaltige Entwicklung (UNCSD) Rio+20 Aktivitäten für eine nachhaltige Zukunft unseres Planeten diskutiert. Dabei sollen Massnahmen für nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherheit beschlossen werden, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Runden Tisches zu Nahrung, Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft“ im Vorfeld des dritten Intersessional Meetings der UNO in New York zur Vorbereitung der Konferenz Rio+20 forderten.

Die Deklaration für Rio+20 hält fest, dass ein Kurswechsel in der Landwirtschaft notwendig ist. Angestrebt werden Ernährungssicherheit für alle, eine ländliche Entwicklung mit verbesserten Bedingungen vor allem für Kleinbäuerinnen und -bauern, und insbesondere für Frauen, sowie eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Die Deklaration fordert die internationale Gemeinschaft auf, an der Rio+20-Konferenz die UNO mit einem Aktionsprogramm für einen Kurswechsel in der Agrar- und Ernährungspolitik zu beauftragen. Die Landwirtschaft der Zukunft muss verstärkt auf Pflanzen und Sorten setzen, die den lokalen Bedingungen angepasst sind und die natürlichen Ressourcen auch für kommende Generationen erhalten.

Die Schweiz steht hinter der Forderung nach einem naturnahen und nachhaltigen Anbau von Nahrungsmitteln. Die Veranstaltung fand am Donnerstag und Freitag auf Einladung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Schweizer Stiftung Biovision und des Millennium Institutes, mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und weiteren Organisationen in New York statt. Es referierten unter anderem David Nabarro, Special Representative für Nahrung und Ernährungssicherheit des UNO-Generasekretariats, Terezya Huvisa, Umweltministerin in Tanzania, und Sally Kosgei, Landwirtschaftsministerin in Kenia.


Relevante Resultate in Rio+20

Mit der Diskussionsveranstaltung strebten die Organisatoren ein gemeinsames Verständnis über mögliche Resultate der Konferenz Rio+20 an, so dass die Ernährungssicherheit gestärkt und eine nachhaltige Landwirtschaft auf der Basis von vorliegenden Erkenntnissen und Berichten umgesetzt werden kann, etwa dem Weltagrarbericht IAASTD oder dem Green Economy Report des UNO-Umweltprogramms. Die Empfehlungen der Deklaration sollen in den Vorbereitungsprozess der Konferenz Rio+20 eingebracht werden, mit dem Ziel, dass dort die Staatengemeinschaft einen entscheidenden Schritt in Richtung globaler Ernährungssicherheit und einer weltweit nachhaltigen Landwirtschaft macht.

Der Handlungsbedarf ist gross. Nahezu 40 Prozent der landwirtschaftlichen Böden sind degradiert, vielerorts gehen die Wasservorräte zur Neige, und die Sortenvielfalt, die Basis der Pflanzenzucht, schrumpft. Diese Probleme sind nicht zuletzt das Ergebnis von Fehlentwicklungen in der Agrarpolitik, welche die Bedürfnisse der Kleinbauern vernachlässigten. Dabei sind es die Kleinbauern, die weltweit über die Hälfte der Nahrungsmittel produzieren.

Die Folgen sind desaströs: Jedes fünfte Kind, das heute geboren wird, wächst hungrig auf. Die Zahl der unterernährten Menschen hat sich seit Mitte der 90er-Jahre um mehr als 100 Millionen erhöht, obwohl bereits heute im Durchschnitt 4600 kcal pro Person und Tag produziert werden – etwa doppelt so viel wie notwendig. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung von gegenwärtig knapp 7 Milliarden auf über 9 Milliarden zunehmen. Vor diesem Hintergrund hat die UNO Ernährung zu einem der sieben Schwerpunktthemen der Konferenz Rio+20 bestimmt. Der Gipfel findet vom 20. Bis 22. Juni in Rio de Janeiro, Brasilien, statt.

Ban Ki-moon: Statement on High-Level Roundtable (PDF)


Für Interviews stehen zur Verfügung:

Hans R. Herren, Welternährungspreisträger, Präsident, Biovision, Millennium Institute

Peter Bieler, Leiter DEZA-Globalprogramm Ernährungssicherheit

Auskünfte: a.biasio@biovision.ch (Ania Biasio, Kommunikation und Kampagnen)


Biovision – Kurswechsel Landwirtschaft: www.kurswechsel-landwirtschaft.ch

Zeit zu handeln: www.timetoactrio20.org

Ernährungssicherheit: Kleinbäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft stärken: www.deza.admin.ch/de/Dossiers/Rio_20/Ernaehrungssicherheit

Die Schweiz macht eine nachhaltige Landwirtschaft am Erdgipfel in Rio zum Thema

Gemäss dem Bundesratsbeschluss von heute wird sich die Schweiz an der UNO-Konferenz zur nachhaltigen Entwicklung vom kommenden Juni in Rio de Janeiro für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen. Biovision begrüsst den Bundesratsentscheid und fordert, dass am Erdgipfel eine UNO-Organisation mit einem entsprechenden Mandat beauftragt wird, damit dieses Ziel tatsächlich umgesetzt wird. Die Nationalräte Maya Graf (GP) und Hansjörg Hassler (BDP) möchten nun vom Bundesrat wissen, wie er sich in Rio konkret für eine nachhaltige multifunktionale Landwirtschaft einsetzen wird.

„Die Schweiz wird sich in Rio für konkrete Massnahmen zum Erreichen einer grünen Wirtschaft einsetzen, die nachhaltige Landwirtschaft kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten“, sagte Botschafter Franz Perrez, Chef Abteilung Internationales des Bundesamtes für Umwelt und Leiter der Schweizer Delegation für die Rio-Konferenz auf Anfrage von Biovision. „Darum wird im Bundesratsmandat Landwirtschaft explizit als Themenbereich erwähnt“, erklärte er weiter.

„Damit geht die Schweiz in die richtige Richtung“, sagte Hans Rudolf Herren, Präsident der Stiftung Biovision und des Millennium Institutes zum Rio+20-Mandat. “Vor dem Hintergrund knapper werdender natürlicher Ressourcen, steigender Nahrungsmittelpreise, steigender Umweltbelastungen und dem Verlust von fruchtbaren Böden ist ein grundlegender Kurswechsel in der Landwirtschaft dringend nötig“, erklärte der Träger des Welternährungspreises Herren weiter. Ziele des Kurswechsels in der Landwirtschaft seien Ernährungssicherheit für alle, eine ländliche Entwicklung mit verbesserten Bedingungen vor allem für Kleinbäuerinnen und -bauern, und insbesondere für Frauen, sowie eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Damit die Ziele auch umgesetzt werden, soll gemäss Herren die UNO an der Rio+20-Konferenz mit einem Aktionsprogramm für einen Kurswechsel in der Agrar- und Ernährungspolitik beauftragt werden.

Nachhaltige multifunktionale Landwirtschaft

„Unsere Bundesverfassung stipuliert eine nachhaltige und multifunktionale Landwirtschaft“, stellt BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler in seiner Anfrage vom vergangenen Mittwoch an den Bundesrat fest. Auch der Weltagrarbericht 2008 komme zum Schluss, dass die globale Weiterentwicklung der Landwirtschaft auf diesen Grundpfeilern bauen soll. Es sei hinreichend belegt, dass es weltweit einen Kurswechsel hin zu einem naturnahen und nachhaltigen Anbau von Nahrungsmitteln brauche. Hassler möchte deshalb vom Bundesrat wissen, wie sich dieser in Rio+20 für einen wirksamen Schritt der UNO zur Förderung der Ernährungssicherung durch eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft gestützt auf den Weltagrarbericht einsetzt.

„Die industrielle Landwirtschaft führt in die Sackgasse“, zeigt sich auch die grüne Nationalrätin Maya Graf überzeugt. Sie zerstöre die natürliche Umwelt und könne nicht verhindern, dass heute jeder siebte Mensch hungert und eine Milliarde Menschen in extremer Armut leben. Es brauche jetzt einen Kurswechsel in der Landwirtschaft: Weg von Ungerechtigkeit an Menschen und vom Raubbau an der Natur, hin zu Fairness und zu ökologischem Anbau, auch auf globaler Ebene. Daher müsse Landwirtschaft und Ernährungssicherheit am Erdgipfel im Juni 2012 ein Schlüsselthema sein, fordert sie. Sie fragt den Bundesrat an, wie er sich für dieses Ziel am Erdgipfel Rio+20 konkret einsetzt. Die Antworten des Bundesrates werden am Montag erwartet.

Weitere Informationen:
www.biovision.ch; www.kurswechsel-landwirtschaft.ch; www.timetoactrio20.org

Interviews:
Die Nationalräte Maya Graf (GP) und Hansjörg Hassler (BDP) sowie Dr. Hans Rudolf Herren stehen für Interviews zur Verfügung.

Auskünfte und Koordination Interviews:
Ania Biasio, Kommunikation und Kampagnen, Tel. 044 500 49 84, a.biasio@biovision.ch

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