Beiträge aus der Kategorie "Insekten"

Interview der Woche 34: Dr. Fabian Haas, Insektenforscher am icipe in Nairobi

Das International Centre of Insect Physiology and Ecology (icipe) in Nairobi ist ein wichtiger Partner für zahlreiche Biovision-Projekte. Dr. Fabian Haas ist einer der Forscher an diesem renommierten Institut. Im Interview gibt er Einblick in ein faszinierendes Forschungsgebiet: Den Einsatz von Insekten als Bio-Indikatoren.


Weshalb können Insekten als Bio-Indikatoren eingesetzt werden?

Wie alle Organismen haben Insekten spezifische Anforderungen an ihre Umwelt, zum Beispiel eine bestimmte Temperatur oder ein bestimmter Sauerstoffgehalt des Wassers oder generell das Nährstoffangebot und da ist jede Gruppe von Insekten unterschiedlich.


Was für Erkenntnisse können dabei gewonnen werden?

Wir erhoffen uns von der Feldforschung, dass wir die Umwelt- und Wasserqualität in der Region Kakamega anhand relativ einfacher Methoden beurteilen können. Wenn man Insekten als Indikatoren für Umwelt- und Wasserqualität verwendet, dann werden dafür keine Experten oder teure Technik wie Sauerstoffmessgeräte und Chemie benötigt. Deshalb ist das Ziel, dass diese Methode von der lokalen Bevölkerung oder Behörden übernommen werden kann.


Welche Insekten werden verwendet?

In Kakamega untersuchen wir Insektengruppen wie Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Wasserkäfer, Wasserwanzen sowie Honig- und Wildbienen.


Was müssen Laien wissen, wenn sie Insekten als Bio-Indikatoren einsetzen möchten?

Sie müssen die Insektengruppe kennen (z.B. die Eintagsfliegen) und wissen, ob diese Gruppe vorzugsweise klares Wasser benötigt oder eher in verschmutztem Wasser vorkommt. In unserer Feldarbeit haben wir gesehen, dass engagierte Laien relativ schnell lernen können die Insektengruppen zu unterscheiden und der Wasserqualität zuzuordnen.

Interview of the Week 33: Dr. Getachew Tikubet, Founder of BioEconomy Africa from Ethiopia

Dr. Getachew Tikubet

Dr. Getachew Tikubet

Dr. Getachew Tikubet and his wife Dr. Selamawit Asseffa, both from Ethiopia, have founded BioEconomy Africa (BEA), one of Biovision’s partner organizations in East Africa for projects like Tsetse Rollback/Biofarming. We met Dr. Tikubet for this interview in Zurich during his visit to the exchange programme between farmers and agricultural trainers from Switzerland and Ethiopia. Biovision supported the exchange programme that was jointly organized by BEA and Plantahof, the agricultural training institute in Landquart.


What’s the basis for the collaboration between BEA and Biovision?

Due to my past as a researcher on tsetse flies and Biovision’s support for tsetse control projects in Ethiopia I have known Biovision for seven years. Five years ago we started working together. Biovision and BEA share a common mission which is to foster ecological and sustainable development. BEA looks at development as a system which is based on the benefits for communities and the environment. We take into account that sustainable ecological system is the basis for a socially sustainable society as well, where the economic growth scale is within the biophysical limit of the ecosystem. Biovision shares this view and together we believe that knowledge sharing and operational research are the basis for continuous growth and development.


How do farmers and trainers benefit from the exchange programme with Plantahof?

Ethiopian farmers and trainers can learn from their Swiss colleagues because the highlands and mountains in Switzerland and Ethiopia are comparable. Where Swiss farmers have the winter and snow to cope with when there is no feed on the pasture, in Ethiopia we have the drought. Innovate fodder conservation is important for Ethiopian farmers but the concept is not well developed in Ethiopia. This is a topic that we can profit from the Swiss experience. Another similarity is that Ethiopian and Swiss farmers both work with rather small farm areas. This is why farmers and agricultural trainers from Ethiopia can rather learn from Switzerland than for example from the United States with its huge farm areas and conventional farming systems.


Can you say more about BEA’s activities in Africa?

We started with 7 demonstration sites or “biofarms” in Ethiopia with different set-ups depending on the agro-ecological conditions. In those sites we train communities and farmers in ecological methods. It’s important that the trainings are demand-driven and based on the understanding of agro-ecosystems. We ask farmers what constraints they face and what type of knowledge and capacities they need to overcome them. So far we were able to train over 40′000 farmers all over Ethiopia and some other African countries. Due to the high demand for our concept of biofarms we recently opened another 4 sites in the Democratic Republic of Congo and started a programme with 3 sites in Ivory Coast.

Wenn Insekten von einem Tag auf den anderen verschwinden würden

Liebe Freunde von Biovision

Sommerzeit ist Mückenzeit, Fliegenzeit, Zeckenzeit. Wenn es warm wird, wie in den letzten Wochen, krabbelt, kreucht und fleucht es wieder überall. Und alle Jahre wieder kommen mit den Insekten auch deren unangenehme Nebenerscheinungen zurück. Fliegen sitzen auf unseren Butterbroten, Mückenstiche verderben uns die Freude am Sonnenuntergang, und Zecken können sogar gefährliche Krankheiten verbreiten. Wie nahe liegt da der Gedanke, all diese lästigen Viecher ins Pfefferland zu wünschen.

Aber halt! Ich bin ein erklärter Fan der Insekten, habe mich ein Leben lang mit ihnen beschäftigt und möchte hier etwas zur Verteidigung dieser verschmähten Tiere ins Feld führen. Haben Sie sich schon einmal überlegt, was geschehen würde, wenn Insekten von einem Tag auf den anderen verschwinden würden? Die Menschheit würde innert kürzester Zeit ersticken, weil die kleinen Helfer unseren gigantischen Abfall nicht mehr abtragen würden. Und wenn das nicht reichen sollte, hätten wir schon sehr bald nichts mehr zu essen, denn die Insekten würden weder Blüten bestäuben, noch als Nahrung für andere Tiere dienen.

Allein Bienen erzielen weltweit eine wirtschaftliche Wertschöpfung von mehreren Billionen Dollar – hauptsächlich durch Bestäubung von Pflanzen. Andere Insekten stehen ihnen in nichts nach. Da mutet es schon sehr eigenartig an, wenn den grossen Chemiefirmen nichts anderes in den Sinn kommt, als diese kleinen Goldgräber zu vernichten.

Die Zahl der Bienen hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Hauptgrund für diesen gefährlichen Prozess ist, da bin ich mir ziemlich sicher, die moderne Landwirtschaft. Wir haben unsere Landschaft und unsere Felder von Unkraut «befreit» und den Bienen damit die Nahrungsgrundlage genommen. Wir haben die Felder mit Pestiziden besprüht und die Bienen damit vernichtet. Und wir haben in den letzten Jahren sogar begonnen, die Gifte mittels Genmanipulation in die Pflanzen selbst einzuschleusen.

All diese Tätigkeiten haben nicht nur unseren Honigbienen zugesetzt, sondern auch den wilden Bienen, die den weitaus grössten Teil dieser Spezies ausmachen. Was das auf Dauer bedeuten wird, kann ich Ihnen in einem der nächsten Blogs gerne noch detaillierter beschreiben. Doch glauben Sie mir, wir spielen hier mit dem Feuer.

Bei Biovision und in meiner ganzen Forschungstätigkeit verfolgen wir einen ganz anderen Weg. Insekten werden nicht als Schädlinge behandelt, die es zu vernichten gilt, sondern als Teil der Natur. Wenn man Pflanzen vor ihnen schützen will, kann man das auf eine sanfte Art machen. Man nützt den Lebenszyklus der Insekten und deren natürliche Schwächen. Aber man bringt sie nicht einfach ungezielt und massenhaft um! Um unseren intelligenten Weg zu gehen, muss man aber die Insekten studieren und verstehen, und das ist nicht ganz einfach. Wir sind aber dank unserer Erfahrung überzeugt, dass sich dieser sanfte Weg langfristig auszahlen wird. Wir verwenden lieber unser Gehirn als unsere Muskeln.

Wenn also das nächste Mal eine «lästige» Fliege auf ihrem Butterbrot sitzt, schlagen Sie sie nicht gleich tot. Schauen Sie sie an, betrachten Sie ihre faszinierenden Flügel, ihre feinen Beine und ihre unglaublichen Augen. Und denken Sie daran: Diese Fliege vermiest Ihnen nicht das Butterbrot. Ohne diese Fliege hätten Sie weder Butter, noch Brot.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, insektenreichen Sommer!

Herzlich
Hans Rudolf Herren

Präsident Biovision

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