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Interview der Woche 21: Reto Elmer, Ausbildner im Biovision-Projekt “Farmer’s Academy”

Reto Elmer vom Plantahof, dem landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum in Landquart/Graubünden, verbringt zurzeit zwei Monate in Äthiopien. Er ist im Biovision-Projekt “Farmer’s Academy” tätig und arbeitet mit Bioeconomy Africa (BEA) zusammen, einer Partnerorganisation von Biovision. Sein Einsatz wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und vom Plantahof gemeinsam getragen. Wir haben mit ihm über seinen Aufenthalt und die Schweiz-Reise von BEA-Fachleuten im kommenden Juli gesprochen.


Wie kam die Zusammenarbeit zwischen dem Plantahof und Bioeconomy Africa (BEA) zustande?

Im November 2008 war Dr. Getachew Tikubet als Referent am Biovision Symposium in Zürich eingeladen. Getachew nutzte die Gelegenheit, um Institutionen in der Schweiz aufzusuchen, die mit der Ausbildung von Bäuerinnen und Bauern Erfahrung haben, darunter auch den Plantahof in Landquart. Der Plantahof, bereits 1896 gegründet, ist das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum des Kantons Graubünden. Unser duales Ausbildungssystem mit theoretischen und praktischen Lerninhalten hat Getachew begeistert. Graubünden als Gebirgskanton ist dem Hochland von Äthiopien zudem sehr ähnlich. Die vielen Biobetriebe in Graubünden waren ein weiterer Grund für eine Zusammenarbeit.


Wo arbeiten Sie und welches sind die Ziele Ihres Aufenthalts?

Momentan bin ich in Addis Abeba am YEHA-Institut, wo auch BEA stationiert ist. Direkt vis-à-vis befindet sich die Biofarm Addis Abeba (Farmer’s Academy), die zu Ausbildungszwecken genutzt wird. Während meines Aufenthalts werde ich auch die weiteren vier Biofarmen besuchen, die über ganz Äthiopien verteilt sind: Assela, Assosa, Mekelle, Sebeta. Zusammen mit meiner Frau und Mitarbeitern von BEA erarbeiten wir ein Manual für gute fachliche Praxis auf dem Feld und bei Tieren. Dieses Handbuch soll vor allem Illustrationen enthalten, damit auch Bäuerinnen und Bauern, die nicht lesen und schreiben können, davon profitieren. Dazu plane ich Feldversuche, um bestmögliches Viehfutter mit wenig Inputs zu gewinnen. Weiter möchte ich das Ausbildungsprogramm auf den Biofarmen optimieren.


Sie vermitteln Fachwissen an äthiopische Bäuerinnen und Bauern. Was können Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz von jenen in Äthiopien lernen?

Ein kultureller Austausch ist immer für beide Seiten wertvoll. Persönliches Kennenlernen wie auch fachliche Diskussionen werden zu regem Gedankenaustausch führen. Eine wichtige Erkenntnis der Schweizer Bauern kann sicher sein, wie man mit spärlichen Ressourcen das Beste herausholen kann.


Im Juli kommen BEA-Fachleute in die Schweiz. Was ist geplant?

Eine weitere Aufgabe hier in Äthiopien ist die Detailplanung des vereinbarten dreiwöchigen Arbeitsbesuchs von BEA-Ausbildnern. Sieben äthiopischen Instruktoren und zwei Masterfarmern wird am Plantahof unser landwirtschaftliches Ausbildungssystem gezeigt. Danach werden die Fachleute aus Äthiopien auf einem Landwirtschaftsbetrieb im Kanton Graubünden aktiv mitarbeiten. Diese Einsätze sind auf die jeweiligen speziellen Fachgebiete unserer Besucher abgestimmt, zum Beispiel Käseproduktion, Obstbau, Bienen, Futterbau, Milchvieh oder Mutterkühe. Es werden sodann Besichtigungen organisiert, um Kompostanlagen, Mostereien, Direktvermaktung ab Hof oder auch Agrotourismus vertieft kennenzulernen. Mit zusätzlichen Exkursionen, die auch über die Bündner Grenzen führen, soll das Bild der Schweiz für unsere äthiopischen Freunde vervollständigt werden.

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