Liebe Freunde von Biovision
Der November war für mich ein sehr positiver, intensiver Monat, der zu einem grossen Teil im Zeichen von Biovision stand. Als erstes fand in Zürich das Biovision-Symposium statt, bei dem der Teilnehmerrekord wieder einmal gebrochen wurde. Es hat mich wirklich beeindruckt, wie viele Menschen in der Schweiz sich für biologischen Anbau in Afrika und die Arbeit von Biovision interessieren. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft – sowohl in der Schweiz, als auch in Afrika.
Anschliessend an dieses Symposium wurde ich von der Biovision-Botschafterin Simone Niggli-Luder nach Kenia begleitet. Simone, ihr Mann Matthias, der Schweizer Botschafter in Kenia Georges Martin, seine Frau Ursula, ich und eine Reihe weiterer Personen besuchten zusammen das neuste Projekt von Biovision in Thika, etwa eine Autostunde von Nairobi entfernt.
«Beitrag der biologischen Landwirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung» heisst der etwas trockene Titel des Projekts. Doch worum es dabei geht, ist für die Kenia und ganz Afrika von vitalem Interesse. Die Forscher wollen herausfinden, welchen Beitrag ökologische Landwirtschaftsmethoden zur Ernährungssicherung, Armutsbekämpfung und zum Umweltschutz in den Tropen leisten können. Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt und wird getragen von Biovision, dem FiBL (Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau), der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Deza, sowie von Coop.
Es handelt sich also um Grundlagenforschung im Bereich Biolandbau. Die Wissenschaftler bepflanzen Versuchsfelder sowohl mit konventionellen, als auch mit biologischen Methoden. Der Vergleich soll Aufschluss darüber geben, ob biologischer Anbau auch für die Bauern in Afrika eine echte Alternative darstellen könnte.
Denn noch immer gibt es Kritiker. Sie behaupten jeweils, die Produktivität der biologischen Landwirtschaft sei zu gering. Ich aber bin vom Gegenteil überzeugt. Es gibt nicht zu wenig Nahrungsmittel auf der Welt. Das Problem ist deren Qualität und Verteilung. Wenn Gemüse und Früchte aber lokal angebaut und abgesetzt werden können, sind sie auch verfügbar, und die Produktivität ist kein Problem. Ausserdem vermeidet man mit biologischen Anbaumethoden die riesigen Folge-Probleme der konventionellen Landwirtschaft für Umwelt, Mensch, Tier und Pflanzen.
Das hat auch Simone Niggli-Luder überzeugt, und Sie war eine äusserst belesene und interessante Reisebegleiterin. Als ausgebildete Biologin kennt sie die Thematik sehr gut, und wir hatten während der Reise sehr anregende Diskussionen. Spannend war für uns vor allem auch der Austausch mit den Bauern. Deren Fragen zu beantworten, aber auch eigene Fragen stellen zu können, ist für mich immer der beste Weg, um Forschung und Anwendungs-Realität in Einklang zu bringen.
Simone und ich waren beide sehr beeindruckt, wie offen die Bauern in Afrika dem biologischen Landbau gegenüber sind. Die Probleme der konventionellen Landwirtschaft sind ihnen sehr bewusst. Die hohen Düngerpreise, Überdüngung der Böden, gesundheitsschädigende chemische Pestizide sowie schlechte Verfügbarkeit des Saatguts sind alles Dinge, die die Bauern in Kenia belasten.
Und nicht nur dort! Zwar arbeitet Biovision hauptsächlich in Kenia, Äthiopien und der Region des Viktoriasees. Doch die Lösungsansätze, die wir in Ostafrika untersuchen und praktizieren, haben Modellcharakter. Dies war auch die Erkenntnis des Schweizer Botschafters in Kenia, Georges Martin, als er sagte: «Wenn wir nicht an schlechten oder an zu wenig Nahrungsmitteln sterben wollen, dann muss nicht nur Kenia, sondern ganz Afrika biologischer werden.»
Ich bin mit Georges Martin einig. Biologische Landwirtschaft ist der Weg der Zukunft – für Afrika, aber sicher auch für uns im Norden. Mit dieser Hoffnung und mit der Erinnerung an eine sehr interessante Reise zusammen mit Simone Niggli-Luder gehe ich nun dem Jahresende entgegen. Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen allen zu danken dafür, dass Sie die Arbeit von Biovision in Afrika unterstützen, denn ohne Sie wären diese Projekte gar nicht erst möglich. Einige Projekte warten aber noch immer auf Finanzierung. Wenn Sie eine Spende machen möchten, bin ich jederzeit gerne bereit, Ihnen Auskunft zu geben.
Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit und frohe Weihnachten.
Herzlich Ihr
Hans Rudolf Herren
Präsident Biovision