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Biotreibstoffe als «saubere» Energieform?

Liebe Freunde von Biovision

In den vergangenen Wochen sind mir in Schweizer Zeitungen, aber auch in der internationalen Presse, zahlreiche Artikel zum Thema Biotreibstoffe in die Augen gestochen. Die Informationen sind oft widersprüchlich, und es ist schwierig, sich ein klares Bild der Vor- und Nachteile dieser Energieform zu machen. Ich möchte Ihnen daher in diesem Blog meine Gedanken zu diesem Thema darlegen. Ich stütze mich dabei nicht auf politische, sondern auf wissenschaftliche Argumente.

Biotreibstoffe sind Alkohole (Äthanol), Gase (Biogas) und Öle (Biodiesel), die aus Pflanzen gewonnen werden, und die spezielle Motoren antreiben können – zum Beispiel in Autos. Da die Treibstoffe nicht aus Erdöl oder anderem fossilem Kohlenstoff gewonnen werden, galten Biotreibstoffe lange als ökologische Zukunftshoffnung. In der Werbung wird sogar versprochen, dass damit ein Beitrag gegen die Klimaerwärmung geleistet würde. Doch die Probleme dieser «sauberen» Energieform werden massiv heruntergespielt. Es zeigt sich immer deutlicher, dass Biotreibstoffe auf keinen Fall die Lösung all unserer Transportprobleme sein können.

Hier einige Gründe:

Biotreibstoffe wie Äthanol und Biodiesel werden unter anderem aus Nahrungsmitteln gewonnen, z.B. aus Mais, Palmöl oder Soja. Dies sind aber gleichzeitig Grundnahrungsmittel für viele arme Menschen dieser Welt. Wenn nun plötzlich die Nachfrage nach Mais und Soja steigt, weil wir im Norden damit Auto fahren wollen, steigt auf dem Weltmarkt der Preis. Unsere Mobilität zerstört also ganz direkt die Nahrungsgrundlage vieler Menschen im Süden. Das kann keine Lösung sein.

Grosse Biotech-Firmen brüsten sich damit, dass sie gentechnisch veränderte Pflanzen kreieren wollen, die robuster sind und sich einfacher in Äthanol oder Biodiesel umwandeln lassen. Diese Firmen zeichnen sich als Kämpfer gegen die Klimaerwärmung. Dass sie dabei als Zerstörer von Nahrungsgrundlagen operieren, verschweigen sie. Und ausserdem: Klar ist es möglich, durch Gentechnologie gewisse Dinge zu manipulieren. Tatsache bleibt aber, dass Mikroorganismen und höher entwickelte Pflanzen immer Platz und auch Wasser brauchen, um wachsen zu können. Dieser Platz steht dann für eine andere Nutzung nicht mehr zur Verfügung.

Das wichtigste Argument gegen Biotreibstoffe kommt aber erst noch: Gemäss den neusten Studien sind nämlich Biotreibstoffe nicht einmal klimaneutral. Ein Artikel im renommierten Wissenschaftsmagazin Science vom 7. Februar zeigt, dass die mittel- und langfristige CO2-Bilanz von Biotreibstoffen negativ ist. Laut einer weiteren Studie, die unter der Leitung des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen erstellt wurde, wird durch den Einsatz von Dünger auf den Anbauflächen drei- bis fünfmal so viel Lachgas (ein besonders starkes Treibhausgas) emittiert, wie ursprünglich angenommen.

Fazit: Der einzige Biotreibstoff, der den Namen verdient und einen vernünftigen Ansatz aufweist, ist die Nutzung von organischen Abfällen zur Treibstoffproduktion (in manchen Ländern bereits als «Compogas» oder «Biogas» im Einsatz). Alle anderen Biotreibstoffe sind für einen grossflächigen Einsatz sicher nicht die richtige Lösung.

Die Menschheit hat immer die Tendenz, sich Kopf voran in neue – scheinbar gute – Technologien zu stürzen. Treibende Kraft ist dabei immer das Geld. Wir haben dies bei der Atomkraft gesehen, aber auch bei den Düngemitteln und Pestiziden. Kurzfristiges Gewinnstreben bringt aber meist nur kurzfristige Lösungen. Die langfristigen Probleme tauchen früher oder später mit dramatischer Wucht auf (Stichwort: Radioaktive Abfälle, chemieverseuchte Gewässer und Böden, Treibhausgase etc.).

Es ist uns allen bewusst, aber wir haben die Tendenz, es zu verdrängen: Unsere natürlichen Ressourcen sind beschränkt. Nur die Sonne hat, auf sehr lange Zeit hinaus, gigantische Möglichkeiten, uns mit Energie zu beliefern. Die Lösung ist nicht nah, aber nahe liegend: Wir müssen wegkommen von Energieformen, die nicht direkt oder indirekt von der Sonne kommen. Wir müssen unseren Energiekonsum auf Sonnen-, Wind- und Wasserenergie aufbauen und – vor allem – unseren Verbrauch drosseln.

Wir dürfen unsere hausgemachten Probleme nicht noch einmal auf dem Rücken der Armen und Unterprivilegierten, und auch nicht auf dem Rücken unserer Kinder lösen. Wir dürfen nicht ihre Nahrungsmittel in unseren Autos verbrennen, und wir dürfen ihre Böden und das immer knapper werdende Wasser nicht für uns beanspruchen. Die Nahrungsmittelpreise sind schon gestiegen als Resultat der Produktion von Biotreibstoffen. Der Ölpreis ist so hoch, wie sich das kaum jemand hätte vorstellen können. Das Eis an den Polkappen schmilzt schneller als vorausgesehen. Extreme Wettersituationen sind häufiger und häufiger.

Wie lange wollen wir noch warten? Wann werden wir aufwachen? Und wird es dann schon zu spät sein? Ich möchte mit einem Zitat von Gandhi schliessen, um Sie aufzufordern, Ihre persönliche Wahl zu treffen: «DU musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst.» Daran glaube ich.

Herzlich

Hans Rudolf Herren
Präsident Biovision

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