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Rolle der Frauen in der Landwirtschaft

Liebe Freunde von Biovision

Wenn Sie meinen letzten Blog gelesen haben, wissen Sie, was der IAASTD-Bericht ist. Vergleichbar mit dem Welt-Klimabericht, fasst unser Welt-Agrarbericht zusammen, was Forscher auf der ganzen Welt in vierjähriger Arbeit über den Stand der Landwirtschaft herausgefunden haben. Auf Grund von Fakten versucht der IAASTD Bericht ausserdem, Wege in die Zukunft zu weisen. Heute möchte ich Ihnen von einem wichtigen Teilaspekt erzählen, den ich letztes Mal nur gestreift habe: die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft.

Wer in Afrika unterwegs ist, wird die gleiche Beobachtung machen wie ich auf meinen Zahlreichen Reisen währen drei Jahrzehnten auf diesem grossen Kontinent. Wo man auch hinkommt, sieht man Frauen, die auf den Äckern arbeiten, Tiere betreuen, Mehl stampfen, Kühe und Ziegen melken, Gemüsegärten bestellen – d.h. ganz allgemein: die Landwirtschaft besorgen.

Im IAASTD-Bericht haben wir diese Beobachtung wissenschaftlich untermauert. Alle Autoren kommen zum gleichen Schluss (und zwar nicht nur für Afrika, sondern für die ganze Welt). Die Frauen spielen eine unglaublich wichtige Rolle auf den Familienbauernhöfen. Der Anteil der Frauen in der Landwirtschaft reicht von 20% bis über 70%. Das heisst, dass es in gewissen Gegenden zu 70% den Frauen zu verdanken ist, dass überhaupt Nahrung produziert wird.

In meiner Jugend war das gar nicht so anders. Ich bin im Unterwallis auf einem Bauernhof aufgewachsen. Dort war es meine Mutter, die Hühner und Eier verwaltete und in der Küche und im Gemüsegarten die Chefin war. Anders als damals in der Schweiz, kommt in den Entwicklungsländern heute aber noch ein wichtiger Faktor hinzu: Die Frauen werden oft mit körperlich sehr schweren Aufgaben betraut, wie dem Schleppen von Wasser und Holz sowie harter Feldarbeit.

Das geht nicht spurlos an den Frauen vorbei. Viele von ihnen leiden unter schlechter Gesundheit. Da sie sehr viel arbeiten – bereits im Schulalter –, sind sie oft schlecht ausgebildet. Und weil es eben doch nicht die Frauen sind, die die Macht haben, ist ihr Einkommen oft auch sehr klein.

Im IAASTD-Bericht sind wir zur Überzeugung gelangt, dass dies so nicht weiter gehen darf. Ich erinnere mich an das eindrückliche Plädoyer des Regierungsvertreters aus Kirgistan an der IAASTD-Schlussveranstaltung. Im Namen vieler rief er dazu auf, die Rolle der Frauen anzuerkennen und im Schlussbericht zu unterstreichen. Über neue Gesetze und angepasste Mechanisierung solle die Situation der Frauen verbessert werden, fordern die Wissenschaftler.

Was also ist zu tun?

Ich denke, es sind wieder einmal viele Wege, die zum gleichen Ziel führen können. Regierungen müssen dazu bewegt werden, den Frauen einen gleichwertigen Zugang zu Ausbildung und Besitz zu garantieren. Doch dann sind es vor allem auch Nichtregierungsorganisationen und gemeinnützige Organisationen wie Biovision, die helfen können, den Prozess in Gang zu bringen. Frauen müssen ausgebildet werden, sie müssen Zugang zu Information haben, zu wissenschaftlichen Erkenntnissen über ihr Tätigkeitsfeld und zu technischen Hilfsmitteln. Und um ihnen wirtschaftliche Arbeit zu ermöglichen, müssen sie bessere Möglichkeiten haben, Kleinkredite aufzunehmen. Und vor allem sollten sie korrekt entlöhnt werden.

Daneben sind es aber auch wir, die von diesen Frauen lernen müssen. Das Wissen über die Landwirtschaft befindet sich oft nicht bei den regierenden Männern, sondern bei den arbeitenden Frauen. Dort müssen wir also hingehen, wenn wir verstehen wollen, wie die Landwirtschaft auf den Kleinbauernhöfen funktioniert und wie sie verbessert werden kann.

Dass die Frauen eine wichtige Rolle spielen auf den Bauernhöfen ist nicht neu. Es ist höchste Zeit, dass wir das anerkennen und ihnen den Platz und die Möglichkeiten bieten, die ihnen zustehen.

Herzlich,

Hans Rudolf Herren
Präsident Biovision

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