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Kollaps, warum Gesellschaften überleben oder untergehen

Liebe Freunde von Biovision

Es freut mich sehr, dass unser Blog sich langsam zu einer interaktiven Plattform entwickelt, auf der ich meine Gedanken formuliere und Sie dann reagieren können. Noch sind wir zwar nicht so weit, dass Sie Ihre Voten gleich ins Netz stellen können. Und mir fehlt die Zeit, auf sämtliche Zuschriften persönlich zu reagieren. Doch selbstverständlich lese ich sie alle mit Interesse, und auf die eine oder andere werde ich an dieser Stelle eingehen.

Eine besonders interessante Mail kam vom Biovision-Spender V.M. Er hat, wie ich auch, das Buch «Kollaps, warum Gesellschaften überleben oder untergehen» von Jared Diamond gelesen. Dort wird plausibel aufgezeigt, wie Bevölkerungswachstum und Überpopulation zu grossen Krisen führen können – wie zum Beispiel in Ruanda. Hätten die Menschen mehr Platz, so die Annahme, gäbe es weniger Gründe für Krieg und Konflikte.

Diamond erwähnt in diesem Zusammenhang auch, dass die Bevölkerungsdichte in Kenia schon jetzt sehr hoch ist, und dass sie bei einer Wachstumsrate von 4,1% pro Jahr noch weiter steigen wird. Herr M. fragt sich also zu Recht, ob wir mit unseren Projekten nicht die nächste Krise provozieren.

Der Gedanke ist naheliegend, und Diamond spricht mit seiner These ein zentrales Problem an. Die Bevölkerungsdichte ist tatsächlich ein online casino entscheidender Faktor für Stabilität – aber eben nicht der einzige. In Holland zum Beispiel, wo die Bevölkerungsdichte höher ist, als sie in Ruanda je war, leben die Menschen friedlich nebeneinander. Wohlstand, Ausbildung, Entwicklungsperspektiven, politische Stabilität – es gibt sehr viele Faktoren, die über Krieg und Frieden entscheiden.

Bei Biovision sind wir überzeugt, dass man das Bevölkerungswachstum genau im Auge behalten muss. Es geht nicht, dass man einfach ausklammert, welch wichtige Rolle eine zu hohe Kinderzahl und eine zu schlechte Geburtenkontrolle spielen können. Wir sind aber auch überzeugt, dass man den Entwicklungsländern deshalb nicht einfach das Wachstum verbieten kann. Wir haben einen Wohlstand erreicht, den wir nicht nur für uns selbst beanspruchen können. Wachstum ist das Recht aller Menschen.

Doch wenn dieses Wachstum einher geht mit einer zunehmenden Ausbeutung der Natur, kann das nicht gut gehen. Schon jetzt verbrauchen wir jährlich mehr Ressourcen, als die Natur uns eigentlich zur Verfügung stellt. Im übertragenen Sinne überziehen wir Jahr für Jahr das Bankkonto, das uns die Erde in Form von natürlichen, erneuerbaren Ressourcen zur Verfügung stellt. Ganz genau berechnet, erreichen wir jeweils am 8. Oktober den Punkt, an dem unser Guthaben aufgebraucht ist. Von da an bis zum 31. Dezember leben wir auf Kredit. Wir leihen uns, was wir (ver)brauchen, von der Natur. Wann und wie wir diese Schulden zurückzahlen wollen, weiss ich auch nicht.

Wie also kann es Wachstum geben – auch für die Entwicklungsländer – ohne dass das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen gerät? Es gibt meiner Ansicht nach nur einen Weg, mit zwei Pfeilern: Erstens müssen wir in der entwickelten Welt Abschied nehmen von unserer verschwenderischen Art, mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Zweitens müssen die Menschen in den Entwicklungsländern unterstützt werden, um ein gesundes Wachstum möglich zu machen.

Bei Biovision tun wir genau das. Wir fördern Projekte, in denen die Menschen sich entwickeln können und gesund bleiben. Wir unterstützen Menschen, die an Wachstum interessiert sind, aber auf eine gesunde, nachhaltige Art. Und wir fördern Forschung, die Lösungen sucht, intelligent und respektvoll mit der Natur umzugehen, anstatt sie einfach als billige «Kreditgeberin» auszunutzen

Wenn wir so arbeiten, kann es Wachstum und Entwicklung geben, ohne in einer Katastrophe zu münden. Der «Kollaps» von Jared Diamond ist leider ein realistisches Szenario. Doch er kann abgewendet werden – wenn wir bereit sind, etwas dafür zu tun. Versuchen wir es!

Herzlich

Hans Rudolf Herren
Präsident Stiftung Biovision

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