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Kein Glaubenskrieg zu Lasten der Hungernden

Der 2008 erschienene Weltagrarbericht zeigt einen klaren Weg auf um Hunger und Armut zu bekämpfen und eine gerechte und sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung unserer Welt zu ermöglichen. Doch mit der Umsetzung der Empfehlungen tun sich die Entscheidungsträger schwer – nicht zuletzt wegen der Ideologisierung der Diskussion.

Daran sind auch die Befürworter nicht unschuldig, indem sie die Empfehlungen von hunderten von Experten, die am Bericht über sechs Jahre mitgearbeitet haben, auf die Prinzipien des Biolandbaus reduzieren. Und diese Prinzipien würden ein relativ enges Korsett bilden, ohne den grossen regionalen Unterschieden der sich stellenden Herausforderungen genügend Rechnung zu tragen. Deshalb propagiert der Weltagrarbericht einen agrar-ökologischen Ansatz, der einerseits sehr viel weiter gefasst ist als der zertifizierte Biolandbau und im Einzelfall sogar den Einsatz von integrierten Schädlingsbekämpfungsmassnahmen mit Pflanzenschutzmitteln zulässt. Andererseits konstatiert der Weltagrarbericht sehr klar, dass industriell angelegte Monokulturen von gentechnisch vereinheitlichten Pflanzen nach wie vor nicht die Resultate liefern können, die man sich erhofft hatte. Dies ist auch heute, fast fünf Jahre nach der Publikation des Berichts, noch der Fall.

Das Agribusiness wiederum sieht in ökologischen Ansätzen vorgestriges Denken und lehnt aus offensichtlichen Gründen Lösungsansätze ab, die den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern grössere Autonomie bescheren. Solche Ansätze sind mit dem Geschäftsmodell des Agribusiness nicht vereinbar: Jahr für Jahr gentechnisch manipulierte oder hybride Samen zu verkaufen, dazu den passenden Kunstdünger und Pestizide.

Im Kampf zwischen diesen beiden Lagern darf das eigentlich Ziel des Weltagrarberichts nicht aus den Augen verloren gehen: Alle Menschen dieser Welt gesund zu ernähren; heute, aber auch dann wenn die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9 Milliarden gestiegen ist.

Der pragmatische, agrar-ökologische Ansatz des Weltagrarberichts ist vielversprechend, wenn wir den Hunger auf unserem Planeten eliminieren wollen. Durch seine relative Offenheit können viele lokal angepasste Lösungen innerhalb seines Konzeptrahmens entwickelt werden. Er umfasst viele traditionelle, und aus traditionellen Ansätzen heraus entwickelte Landbaupraktiken. Agrarforstwirtschaftliche Systeme, pfluglose Bodenbearbeitung und verschiedene Biolandbau-Verfahren und –Techniken gehören auch zum Repertoire.

Aber der Ansatz des Weltagrarberichts ist auch sehr wissensintensiv. Nur mit fundiertem Wissen werden pragmatische Lösungen nicht zu beliebigen und opportunistischen Auswegen. Und das Wissen muss bis an die Basis weitergereicht werden um effektiv eingesetzt und partizipativ weiterentwickelt werden zu können. Und da liegt ein entscheidendes Problem: Wer ist bereit, in Forschung zu investieren, die nicht patentierbar ist und somit auch nicht das grosse Geld bringt, sondern weitere Investitionen in die Wissensaufbereitung und -verbreitung an eine strukturbedingt arme Zielgruppe bedingt? Gleichzeitig führt kein Weg an den Kleinbäuerinnen und –Bauern vorbei, wenn wir die globale Nahrungssicherheit erreichen wollen.

Der wissenschaftliche Ansatz ist zentral für die globale Akzeptanz des vorgeschlagenen Weges. Wenn die Richtung, die der Weltagrarbericht vorgibt, auf eine Weltanschauung reduziert wird, dann haben die zahlreichen Gegner ein leichtes Spiel, den Zug zu stoppen. Deshalb dürfen Lösungsansätze auf keinen Fall aus ideologischen Gründen verworfen werden, sondern nur, wenn sie sich nach eingehender Prüfung als nicht zielführend erweisen. Natürlich ist auch die Wissenschaft letztlich von Weltanschauungen beeinflusst und die gesellschaftliche Vorliebe für technische Lösungen steht im Gegensatz zu vielen Vorschlägen des Weltagrarberichts, die eher eine Rückkehr zu einfachen, aus der Natur abgeleiteten nachhaltigen Methoden propagieren.

Diesen Konflikten kann man nur entkommen, wenn das Hauptziel bei der Suche nach Lösungen immer im Fokus bleibt: Gesunde Nahrung für alle, natürlich!

"Für uns ist das Glas halb voll" – Interview mit Hans R. Herren, Präsident von Biovision

Die Schlussdeklaration der Rio 20 Konferenz ist von Medien und Hilfswerken in der ganzen Welt kritisiert worden. Man scheint sich einig zu sein, dass das Dokument zahnlos ist, die Probleme unserer Welt nicht wirklich angeht und es Grossunternehmen erlaubt, den Planeten weiterhin auszubeuten. Die Medienmitteilungen von Biovision klangen sehr viel positiver. Weshalb?

Natürlich wäre es besser gewesen wenn die Deklaration mehr in die Tiefe gegangen wäre, jetzt klare Ziele gesetzt hätte, mit Fristen für ihre Umsetzung und der Ernennung von internationalen Körperschaften die diese Prozesse überwachen und, wo notwendig, auch durchsetzen. Aber der Entscheid, einen umfassenden und transparenten internationalen Prozess zu nachhaltigen Entwicklungszielen bis Ende 2013 ins Leben zu rufen geht doch in diese Richtung und wird uns dabei unterstützen, die Millennium Entwicklungsziele abzulösen und die Grüne Wirtschaft mit einem wirklich dreidimensionalen Ansatz anzugehen der die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft beinhaltet. Das wird auch für die Landwirtschaft relevant sein.

Aber die Kritiker haben in sofern recht, als die Behandlung der Probleme der Übernutzung der Ökosysteme der Meere und der Wälder im Dokument eine unverantwortliche und ignorante Haltung wiederspiegelt. Doch im heutigen wirtschaftlichen Umfeld war schlicht nicht mehr zu erwarten. Niemand war bereit, zusätzliche Kosten zu tragen oder Massnahmen zu akzeptieren, die das Wachstum bremsen könnten.

Es hätte aber noch viel schlimmer kommen können. Einige Textvorschläge bedeuteten nichts weniger als einen Rückschritt gegenüber Standards, die schon lange vor Rio 20 Geltung hatten. So zum Beispiel das Recht auf sauberes Wasser und sanitären Einrichtungen, welches abgeschwächt werden sollte. Druck von Seiten einiger Länder verhinderten solche negativen Resultate. Ich sehe das Glas als halb voll und glaube, dass einige Passagen eine gute Basis bilden um gemeinsam eine nachhaltige Zukunft zu bauen.

Gehört die Forderung für eine nachhaltige Landwirtschaft dazu?

Ja, ein Kapitel befasst sich mit nachhaltiger Landwirtschaft und Nahrungssystemen – zu dem Thema war das Biovision/Millennium Team rund ein Jahr vor der Konferenz aktiv geworden. Mit Hilfe einiger Gesinnungsgenossen, wie Hilfswerke und einiger nachhaltiger Entwicklung verpflichteten Delegationen, insbesondere der Schweizer Delegation, haben wir es geschafft unsere Textvorschläge in das Dokument einzubringen.

Entsprechend sind wir sehr zufrieden, dass das Komitee für Nahrungssicherheit (Comittee on World Food Security, CFS) mit der Aufgabe betraut wurde, die einzelnen Nationen auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu unterstützen. Das CFS wird sich dabei auf den Weltagrarbericht (International Assessment online casino of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development, IAASTD) abstützen und, ganz entscheidend, nicht nur Repräsentanten von Regierungen, Unternehmen und aus der Wissenschaft in den Prozess einbeziehen, sondern auch Vertreter der Landwirtschaft und der Zivilgesellschaft. Das ist eine sehr gute Basis auf der Biovison und ihre Partner ihre Projekte zur Transformation der Landwirtschaft und der Nahrungssysteme in ihren Zielländern in Afrika voranbringen können, sowohl direkt mit den Betroffenen als auch auf politischer Ebene.

Aber haben sie sich von Rio 20 nicht mehr erhofft?

Ja, in Bezug auf die Landwirtschaft sind die Wörter „Transformation“ oder „Kurswechsel“ der globalen Landwirtschaftspolitik, die wir auf Grund des Weltagrarberichts eingebracht hatten, gestrichen worden. Wir hätten ein klareres Bekenntnis zur Unterstützung der Kleinbauern und zu Landrechten begrüsst. Die Frage der Landrechte betrifft vor allem die Frauen, die Mehrzahl der Kleinbauern, denen in vielen
Ländern solche Rechte noch immer verwehrt werden.

Die führenden Politiker haben auch die Dringlichkeit dieser Probleme nicht erkannt. Der Weltagrarbericht sagt ganz klar, dass wir nicht so weiterwirtschaften können wie bisher – und der Bericht wurde 2008 publiziert. Wir können es uns schlicht nicht leisten, noch mehr Zeit zu verschwenden.

Trotzdem wurde unsere Position und die der Betroffenen mit denen wir zusammenarbeiten, gestärkt. Es sind so viele Interessen in diesen Prozess verquickt und wir glauben zumindest, dass er in die richtige Richtung geht.

Wie sieht das denn bei der Landwirtschaftspolitik und den Interessen der internationalen Agrarkonzerne aus?

Wir waren natürlich nicht die einzigen die vor und während Rio 20 versucht haben, ihre Interessen einzubringen. Die grossen Konzerne behaupten nach wie vor, dass riesige Monokulturen und der massive Einsatz von Gentechnologie, Kunstdünger und Pestiziden die Welt ernähren können. Aber der Weltagrarbericht hat ganz klar festgestellt, dass dieses Ziel nur mit kleinbäuerlichen Strukturen, die schon heute weltweit 70 Prozent der Nahrungsmittel produzieren, erreicht werden kann. Und mit einer Weltbevölkerung die bis 2050 auf über neun Milliarden ansteigen wird, können wir uns die generellen Umweltschäden, die weitere Zerstörung fruchtbarer Böden, die riesigen Mengen an Abfall bei Nahrungsmitteln und die sozialen Konsequenzen dieser Methoden nicht leisten; das spekulative Element im Nahrungsmittelhandel das von diesen Konzernen unterstützt wird um ihre Profite zu maximieren schon gar nicht. Wir hatten in Rio schon das Gefühl, dass unsere Ansicht sich mehr und mehr durchsetzt. Aber der Kampf muss weiter gehen.

Wo gibt es sonst noch Unterstützung für ihren Kampf?

Ein wichtiger Faktor sind die Konsumenten. Dieser wichtige Punkt wird auch in der Deklaration angesprochen. Wenn wir nicht lernen, verantwortungsvoller einzukaufen, uns nicht im Klaren darüber sind, dass eine Kalorie Fleisch mit sieben Kalorien an gewachsener Nahrung und Unmengen an Süsswasser produziert wird, werden wir noch viel weniger in der Lage sein die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Schon heute tolerieren wir, dass fast eine Milliarde Menschen Hunger leiden. Gleichzeitig sind über eine Milliarde übergewichtig, dank billigem, industriell verarbeitetem Essen. Mit der wachsenden Mittelschicht in Schwellenländern wird sich dieses Problem noch enorm verschärfen, wenn wir mit diesen Botschaften nicht zu den Konsumenten durchdringen.

Und dann gibt’s ja noch den „Zero Hunger Challenge“ von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon…

Genau. Ban Ki-moon’s in Rio präsentierte Vision, dass kein einziger Mensch in unserer Welt des Überflusses Hunger leiden sollte, stärkt unsere Position weiter. Wir können uns bezüglich dieser Initiative sogar selber auf die Schulter klopfen, da der Text weitgehend das Resultat einer hochrangigen Diskussionsrunde reflektiert die wir im März in New York zu genau diesem Thema organsierten.

Ban Ki-moon betonte die Notwendigkeit für nachhaltige Nahrungssysteme weltweit und verlangte besser Bedingungen für Kleinbauern auf Grund ihres grossen Anteils an der globalen Nahrungsmittelproduktion. Sein Generalsekretariat hat uns sehr positiv in unserer Arbeit unterstützt, die nachhaltige Landwirtschaft an der Rio 20 Konferenz höher auf die Agenda zu setzen. Insgesamt hatten wir viel Unterstützung, zum Teil auch von unerwarteter Seite; dies ist ein weiterer Grund weshalb meine Gesamteinschätzung von Rio 20 eher positiv ausfällt und ich denke, dass wir mit diesen Resultaten wirklich auch weiter arbeiten können.

Eine sehr positive Erfahrung in Rio war die konstruktive Zusammenarbeit mit anderen Hilfswerken, Delegationen und Repräsentanten aus der Geschäftswelt. Wir möchten alle ähnlich gesinnten und besorgten Menschen einladen, sich an unseren Bemühungen zu beteiligen. Vor allem auch die Geschäftswelt ist sehr willkommen, sich mit uns an einen Tisch zu setzen um bessere Lösungen für unseren Planeten zu finden; nicht nur für uns, sondern auch für künftige Generationen.

Handeln statt reden: Was erwarten Schweizer Politikerinnen und Politiker von Rio+20?

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Nationalrätin Dr. Ursula Wyss (SP): Leider wird Rio+20 nicht alle unsere Ressourcenprobleme auf einen Schlag lösen. Dennoch ist die Konferenz wichtig, weil sie die Idee einer nachhaltigeren Wirtschaft auf höchster Regierungsebene und mit grossem Medienecho in alle Länder trägt. Ich erhoffe mir aber trotzdem, dass es in Rio gelingt, einen Nachhaltigkeitsrat zu schaffen und einen Prozess in Gang setzen, der zu global verbindlichen Nachhaltigkeitszielen führt. Die Herausforderungen einer sozialeren und grüneren Wirtschaft sind nur lösbar, wenn wir als Weltgemeinschaft bereit sind, voneinander zu lernen und dies als Chance zu begreifen.

Nationalrätin Maya Graf (GPS): Ich erwarte, dass nicht nur Absichtserklärungen, sondern konkrete Massnahmen zum nachhaltigen Umbau der Wirtschaft und zum Ressourcenschutz weltweit beschlossen werden.

Nationalrätin Isabelle Moret (FDP): Ich erwarte, dass das viel gelobte Konzept des grünen Wachstums ergänzt wird durch ein politisches Rahmenwerk verbindlicher Emissionsreduktionen. Ein Rahmenwerk, das langfristig Anreize für Investitionen der Wirtschaft und Unternehmen in den Klimaschutz und die Infrastruktur insbesondere Entwicklungsländern setzt.

Nationalrat Roland Fischer (GLP): Ich erwarte von Rio+20, dass ein Prozess in die Richtung einer grünen Wirtschaft angestossen wird.

Nationalrat Dr. Stefan Müller-Altermatt (CVP): Ich erwarte von Rio+20 neuen Schub für die Nachhaltige Entwicklung. Ich hoffe, dass die Weltgemeinschaft in Rio griffige Instrumente entwickelt, um Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt global besser in Einklang zu bringen.

Nationalrat Hansjörg Hassler (BDP): Ich erwarte von Rio+20 einen weltweiten Durchbruch hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise mit einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen. Insbesondere braucht es einen Kurswechsel in Klima- und Umweltfragen. Stärkere Beachtung ist auch einem naturnahen und nachhaltigen Anbau von Nahrungsmitteln zu schenken.

Nationalrat Albert Rösti (SVP): Das zentrale Ziel der Konferenz Rio+20 ist die Erneuerung des politischen Engagements für eine Nachhaltige Entwicklung. Als Folge der Differenzen und unterschiedlichen Anspruchshaltungen der verschiedenen Gruppen wie auch der immer noch anhaltenden Finanzkrise dürfen die diesbezüglichen Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden.

Schlag Krach für eine nachhaltige Landwirtschaft!

Wir haben diesen Trickfilm lanciert um unsere Botschaft für Rio+20 zu unterstreichen: Ein Kurswechsel in der Landwirtschaft ist dringend und die Schlussfolgerungen des IAASTD (International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development) gehören auf das Schlussdokument des Erdgipfels! www.kurswechsel-landwirtschaft.ch

Hörst Du den BROUMM im Film? Natürlich nicht – der Ton fehlt! Wir möchten, dass DU Krach schlägst für eine nachhaltige Landwirtschaft! Schick uns ein MP3 File oder vereinbare einen Termin mit uns damit wir Deinen Beitrag via Skype aufnehmen können.

Eine internationale Jury unter dem Vorsitz von Hans R. Herren, Präsident der Stiftung Biovision und Koautor des IAASTD, wird den Sieger bestimmen und mit einem iTunes-Gutschein über USD 200 belohnen.

Deklaration für Rio+20: Es braucht einen Kurswechsel in der Landwirtschaft

Um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können, muss die Landwirtschaft schonender mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Die UNO-Konferenz Rio+20 im Juni soll die Weichen stellen für einen grundlegenden Kurswechsel in der globalen Agrar- und Ernährungspolitik. Das ist die Kernforderung der Deklaration „Nahrung für alle, natürlich“, welche hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Regierungen, internationalen Organisationen und Wissenschaft anlässlich einer Roundtable-Veranstaltung am 15. und 16. März 2012 in New York gestellt haben. Die Veranstaltung fand auf Einladung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Schweizer Stiftung Biovision und des Millennium Institutes, mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und weiteren Organisationen statt.

Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel in Rio von 1992 werden im kommenden Juni an der UNO-Konferenz für nachhaltige Entwicklung (UNCSD) Rio+20 Aktivitäten für eine nachhaltige Zukunft unseres Planeten diskutiert. Dabei sollen Massnahmen für nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherheit beschlossen werden, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Runden Tisches zu Nahrung, Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft“ im Vorfeld des dritten Intersessional Meetings der UNO in New York zur Vorbereitung der Konferenz Rio+20 forderten.

Die Deklaration für Rio+20 hält fest, dass ein Kurswechsel in der Landwirtschaft notwendig ist. Angestrebt werden Ernährungssicherheit für alle, eine ländliche Entwicklung mit verbesserten Bedingungen vor allem für Kleinbäuerinnen und -bauern, und insbesondere für Frauen, sowie eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Die Deklaration fordert die internationale Gemeinschaft auf, an der Rio+20-Konferenz die UNO mit einem Aktionsprogramm für einen Kurswechsel in der Agrar- und Ernährungspolitik zu beauftragen. Die Landwirtschaft der Zukunft muss verstärkt auf Pflanzen und Sorten setzen, die den lokalen Bedingungen angepasst sind und die natürlichen Ressourcen auch für kommende Generationen erhalten.

Die Schweiz steht hinter der Forderung nach einem naturnahen und nachhaltigen Anbau von Nahrungsmitteln. Die Veranstaltung fand am Donnerstag und Freitag auf Einladung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Schweizer Stiftung Biovision und des Millennium Institutes, mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und weiteren Organisationen in New York statt. Es referierten unter anderem David Nabarro, Special Representative für Nahrung und Ernährungssicherheit des UNO-Generasekretariats, Terezya Huvisa, Umweltministerin in Tanzania, und Sally Kosgei, Landwirtschaftsministerin in Kenia.


Relevante Resultate in Rio+20

Mit der Diskussionsveranstaltung strebten die Organisatoren ein gemeinsames Verständnis über mögliche Resultate der Konferenz Rio+20 an, so dass die Ernährungssicherheit gestärkt und eine nachhaltige Landwirtschaft auf der Basis von vorliegenden Erkenntnissen und Berichten umgesetzt werden kann, etwa dem Weltagrarbericht IAASTD oder dem Green Economy Report des UNO-Umweltprogramms. Die Empfehlungen der Deklaration sollen in den Vorbereitungsprozess der Konferenz Rio+20 eingebracht werden, mit dem Ziel, dass dort die Staatengemeinschaft einen entscheidenden Schritt in Richtung globaler Ernährungssicherheit und einer weltweit nachhaltigen Landwirtschaft macht.

Der Handlungsbedarf ist gross. Nahezu 40 Prozent der landwirtschaftlichen Böden sind degradiert, vielerorts gehen die Wasservorräte zur Neige, und die Sortenvielfalt, die Basis der Pflanzenzucht, schrumpft. Diese Probleme sind nicht zuletzt das Ergebnis von Fehlentwicklungen in der Agrarpolitik, welche die Bedürfnisse der Kleinbauern vernachlässigten. Dabei sind es die Kleinbauern, die weltweit über die Hälfte der Nahrungsmittel produzieren.

Die Folgen sind desaströs: Jedes fünfte Kind, das heute geboren wird, wächst hungrig auf. Die Zahl der unterernährten Menschen hat sich seit Mitte der 90er-Jahre um mehr als 100 Millionen erhöht, obwohl bereits heute im Durchschnitt 4600 kcal pro Person und Tag produziert werden – etwa doppelt so viel wie notwendig. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung von gegenwärtig knapp 7 Milliarden auf über 9 Milliarden zunehmen. Vor diesem Hintergrund hat die UNO Ernährung zu einem der sieben Schwerpunktthemen der Konferenz Rio+20 bestimmt. Der Gipfel findet vom 20. Bis 22. Juni in Rio de Janeiro, Brasilien, statt.

Ban Ki-moon: Statement on High-Level Roundtable (PDF)


Für Interviews stehen zur Verfügung:

Hans R. Herren, Welternährungspreisträger, Präsident, Biovision, Millennium Institute

Peter Bieler, Leiter DEZA-Globalprogramm Ernährungssicherheit

Auskünfte: a.biasio@biovision.ch (Ania Biasio, Kommunikation und Kampagnen)


Biovision – Kurswechsel Landwirtschaft: www.kurswechsel-landwirtschaft.ch

Zeit zu handeln: www.timetoactrio20.org

Ernährungssicherheit: Kleinbäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft stärken: www.deza.admin.ch/de/Dossiers/Rio_20/Ernaehrungssicherheit

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