Beiträge mit dem Schlagwort "Bio-Landbau"

“The Organic Farmer” – Artikel aus der November-Ausgabe 2012

TOF_WawirePatrick Wawire aus Kimilili in West Kenia war früher ein Bauer wie es in Kenia viele gibt: Er konnte auf seinem Land nur gerade genug produzieren um seine Familie zu ernähren und wenn grössere Ausgaben, wie Schulgebühren für seine Kinder, anstanden so brachte ihn das in finanzielle Schwierigkeiten. Bis er anfangs 2011 von den Trainings erfuhr, welche Biovision durch das Projekt Farmer Communication anbietet. Er fand, dass diese genau waren was er und seine Nachbarn brauchten um ihre Situation zu verbessern. Gemeinsam gründeten sie eine Bauerngruppe mit dem Namen „Agricultural Development Improved Centre“ und fragten Alfred Amusibwa, den lokalen Bauernberater von iTOF für Trainings zu verschiedenen Themen an. Neben den Methoden der biologischen Landwirtschaft wünschten sich die Bauern insbesondere in Aktivitäten unterrichtet zu werden, die ihnen helfen können, zusätzliches Einkommen zu schaffen. Wawire stellte einen Teil seines Landes zur Verfügung, damit die Bauern gemeinsam das gelernte erproben konnten.

Sie wollten versuchen Bienen zu halten, aber niemand hatte genügend Geld um Bienenkästen zu kaufen. Da fragte sich Wawire, ob es nicht auch eine Möglichkeit gäbe solche aus lokalen Materialien selber zu bauen. Mit Amusibwas Unterstützung dachte er sich eine vereinfachte Methode aus und baute einfache Holzkisten, welche er mit einer schwarzen Plastikfolie abdeckte. Und kurz nachdem er die Bienenkästen mit den Rahmen für die Waben bestückt hatte, nisteten sich in allen Bienenvölker ein. Am Ende der Saison konnte er von den fünf Kasten 80 Kilogramm Honig ernten, welche er für einen guten Preis in Nairobi verkaufte.

Wawire begann auch eine Reihe anderer Aktivitäten zur Einkommenssteigerung: Er schaffte Hühner, Gänse und Kaninchen an. Am erfolgreichsten, war jedoch die Aquakultur. Er sowie einige der anderen Bauern hatten Fischteiche, schafften es aber nicht, daraus einen guten Ertrag zu erzielen. Das kenianische Fischereiministerium hatte sie zwar beim Bau der Fischteiche unterstützt, sie aber nur mangelhaft trainiert. Deshalb fehlte ihnen die das Wissen, wie man die Fische richtig pflegt und ernährt. Amusibwa unterrichtete die Bauern auch darin und nun können sie pro Teich zweimal jährlich 10 000 Tilapia-Fische ernten, welche in Kenia sehr gefragt sind. Wawire baute mit seinen Gewinn neue Fischteiche und besitzt nun 15 davon, statt der zwei die er ursprünglich hatte. So wurde aus dem Kleinbauern in nur einem Jahr ein erfolgreicher Landwirtschaftsunternehmer.

Die meisten Menschen in seiner Situation würden es geniessen endlich der Armut entronnen zu sein und sich den einen oder andern Luxus gönnen. Nicht so Wawire. Er investiert den grössten Teil seines Einkommens für die Dorfgemeinschaft. Er hat für sein Dorf einen eigenen Kindergarten gegründet und bezahlt zwei Lehrpersonen, damit sie in der Kirche wochentags die Kinder unterrichten. Gegenwärtig ist auch eine kleine Klinik im Bau, welche ebenfalls er sponsert. Nach seiner Motivation gefragt, sagt er, dass es ihm einfach mehr Spass mache, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, als sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. „Ich will mein Dorf aus der Armut rausziehen und ich wünsche mir, dass unsere Bauern Vorbilder für andere werden,“ wie er sagt. Und bereits haben einige von ihnen auch ihre Fischhaltung verbessert oder angefangen Bienen zu züchten. Zudem legt jeder Bauer wöchentlich etwas in einen gemeinsamen Spartopf, um sich reihum grössere Investitionen zu ermöglichen. Dadurch sind bereits sämtliche Bauernfamilien des Dorfes zu einem Schaf gekommen. „Und nun sparen wir für Ziegen und Kühe“, sagen die Bauern stolz.

The Organic Farmer, November 2012 (Artikel auf Seite 6)

Erfahren Sie mehr zu den Bauern-Informationsprojekten von Biovision an unserem Symposium am 17. November in Zürich, der Eintritt ist frei: www.biovision.ch/symposium

Biologische Landwirtschaft ist der Weg der Zukunft

Liebe Freunde von Biovision

Der November war für mich ein sehr positiver, intensiver Monat, der zu einem grossen Teil im Zeichen von Biovision stand. Als erstes fand in Zürich das Biovision-Symposium statt, bei dem der Teilnehmerrekord wieder einmal gebrochen wurde. Es hat mich wirklich beeindruckt, wie viele Menschen in der Schweiz sich für biologischen Anbau in Afrika und die Arbeit von Biovision interessieren. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft – sowohl in der Schweiz, als auch in Afrika.

Anschliessend an dieses Symposium wurde ich von der Biovision-Botschafterin Simone Niggli-Luder nach Kenia begleitet. Simone, ihr Mann Matthias, der Schweizer Botschafter in Kenia Georges Martin, seine Frau Ursula, ich und eine Reihe weiterer Personen besuchten zusammen das neuste Projekt von Biovision in Thika, etwa eine Autostunde von Nairobi entfernt.

«Beitrag der biologischen Landwirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung» heisst der etwas trockene Titel des Projekts. Doch worum es dabei geht, ist für die Kenia und ganz Afrika von vitalem Interesse. Die Forscher wollen herausfinden, welchen Beitrag ökologische Landwirtschaftsmethoden zur Ernährungssicherung, Armutsbekämpfung und zum Umweltschutz in den Tropen leisten können. Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt und wird getragen von Biovision, dem FiBL (Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau), der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, Deza, sowie von Coop.

Es handelt sich also um Grundlagenforschung im Bereich Biolandbau. Die Wissenschaftler bepflanzen Versuchsfelder sowohl mit konventionellen, als auch mit biologischen Methoden. Der Vergleich soll Aufschluss darüber geben, ob biologischer Anbau auch für die Bauern in Afrika eine echte Alternative darstellen könnte.

Denn noch immer gibt es Kritiker. Sie behaupten jeweils, die Produktivität der biologischen Landwirtschaft sei zu gering. Ich aber bin vom Gegenteil überzeugt. Es gibt nicht zu wenig Nahrungsmittel auf der Welt. Das Problem ist deren Qualität und Verteilung. Wenn Gemüse und Früchte aber lokal angebaut und abgesetzt werden können, sind sie auch verfügbar, und die Produktivität ist kein Problem. Ausserdem vermeidet man mit biologischen Anbaumethoden die riesigen Folge-Probleme der konventionellen Landwirtschaft für Umwelt, Mensch, Tier und Pflanzen.

Das hat auch Simone Niggli-Luder überzeugt, und Sie war eine äusserst belesene und interessante Reisebegleiterin. Als ausgebildete Biologin kennt sie die Thematik sehr gut, und wir hatten während der Reise sehr anregende Diskussionen. Spannend war für uns vor best online casino allem auch der Austausch mit den Bauern. Deren Fragen zu beantworten, aber auch eigene Fragen stellen zu können, ist für mich immer der beste Weg, um Forschung und Anwendungs-Realität in Einklang zu bringen.

Simone und ich waren beide sehr beeindruckt, wie offen die Bauern in Afrika dem biologischen Landbau gegenüber sind. Die Probleme der konventionellen Landwirtschaft sind ihnen sehr bewusst. Die hohen Düngerpreise, Überdüngung der Böden, gesundheitsschädigende chemische Pestizide sowie schlechte Verfügbarkeit des Saatguts sind alles Dinge, die die Bauern in Kenia belasten.

Und nicht nur dort! Zwar arbeitet Biovision hauptsächlich in Kenia, Äthiopien und der Region des Viktoriasees. Doch die Lösungsansätze, die wir in Ostafrika untersuchen und praktizieren, haben Modellcharakter. Dies war auch die Erkenntnis des Schweizer Botschafters in Kenia, Georges Martin, als er sagte: «Wenn wir nicht an schlechten oder an zu wenig Nahrungsmitteln sterben wollen, dann muss nicht nur Kenia, sondern ganz Afrika biologischer werden.»

Ich bin mit Georges Martin einig. Biologische Landwirtschaft ist der Weg der Zukunft – für Afrika, aber sicher auch für uns im Norden. Mit dieser Hoffnung und mit der Erinnerung an eine sehr interessante Reise zusammen mit Simone Niggli-Luder gehe ich nun dem Jahresende entgegen. Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen allen zu danken dafür, dass Sie die Arbeit von Biovision in Afrika unterstützen, denn ohne Sie wären diese Projekte gar nicht erst möglich. Einige Projekte warten aber noch immer auf Finanzierung. Wenn Sie eine Spende machen möchten, bin ich jederzeit gerne bereit, Ihnen Auskunft zu geben.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Adventszeit und frohe Weihnachten.

Herzlich Ihr

Hans Rudolf Herren
Präsident Biovision

Bio-Landbau für Afrika

Liebe Freunde von Biovision

Der Monat Mai war für mich geprägt von einem freudigen Ereignis. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die FAO, veröffentlichte eine Studie zu biologischer Landwirtschaft und organisierte während 3 Tagen in Rom eine Konferenz, um das Thema zu diskutieren. Die Schlüsse, die gezogen wurden, sind für mich weder neu, noch erstaunlich. Bio-Landbau ist eine ausgesprochen realistische Option für Afrika. Dass aber die FAO dies auf eine derart deutliche Art sagt, freut mich – als alter Verfechter biologischer Lösungen, als nüchterner Wissenschaftler und als Weltbürger.

Eine Milliarde Menschen auf der Welt gehen jeden Abend hungrig zu Bett. Diese an sich schändliche Tatsache ist unbestritten. Wie das Problem zu lösen ist, darüber hingegen gehen die Meinungen auseinander. Multinationale Agrobusiness-Firmen propagieren chemische Düngemittel, intensive Landwirtschaft und Gentechnologie als einzig gangbaren Weg, um genügend Nahrungsmittel für die Weltbevölkerung zu produzieren.

Meine Erfahrung und Forschung bringt mich zu einem anderen Schluss. Es gibt durchaus genügend Nahrung auf der Welt. Die Frage ist nur, wo wir sie herstellen, in welchen Dimensionen die Produktion abläuft und wie viel uns gute Nahrungmittel Wert sind. Solange 2 Milliarden Menschen auf der Welt übergewichtig sind und 25% der Erneerträge weggeworfen werden, empfinde ich die Argumente der Agro-Lobby als zynisch.

«Die grösste Stärke der biologischen Landwirtschaft ist ihre Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Tatsache, dass die Nahrungsmittel lokal produziert werden,» heisst es in der FAO-Studie. Dies ist in der Tat so. Wenn die Nahrungsmittel nicht über die halbe Welt transportiert werden müssen, wird weniger CO2 Produziert, was der ganzen Welt zugute kommt. Doch auch die Bauern profitieren, weil sie weder teures Saatgut, Düngemittel, noch die Transportkosten dafür bezahlen müssen.

Ich bin ein Befürworter von Bauernhöfen, auf denen Familien wieder selbst Verantwortung tragen. Die Grösse eines Hofs kann von Region zu Region variieren, doch das Prinzip muss sein, dass ein Hof einer Familie erlaubt, ein anständiges Einkommen zu generieren.

Dies alles ist nicht gratis zu haben. Die industrialisierte Landwirtschaft hat die Preise für Nahrungsmittel dramatisch nach unten gedrückt. Ich plädiere daher für höhere Lebensmittel-Preise in den Industriestaaten, damit Nahrung mehr Wert erhält und nicht weggeworfen wird. Um den ärmeren Konsumenten zu helfen auch qualitäts- Nahrung zu kaufen, kann der Staat – statt Zuschüsse an die Bauern – eine Steurerleichterung anbieten. Ausserdem brauchen wir eine Politik, die Forschung im biologischen Landbau fördert. Wenn Staat und Privatsektor so viel in ökologische Landwirtschaft investieren würden, wie in die «moderne Landwirtschaft» gesteckt wird, würden wir die aktuellen Probleme heute gar nicht diskutieren.

Doch es ist nicht zu spät. Mit ihrem Bekenntnis zur biologischen Landwirtschaft macht die FAO einen wichtigen Schritt. Es könnte Regierungen auf der ganzen Welt zum Umdenken veranlassen. Denn erst wenn die Politiker (die von uns gewählten Politiker!) die Zeichen der Zeit erkennen, müssen sich auch die Nahrungsmittel-Industrie und die multinationalen Agro- und Chemiefirmen neu ausrichten.

Bei Biovision haben wir die Zeichen der Zeit schon längst erkannt. Wir haben in Kenia und in grossen Teilen Ostafrikas eine Vorreiterrolle ergriffen, wenn es um die Förderung des Biolandbaus geht. Die Zeitschrift „The Organic Farmer“ zeigt den Bauern auf, wie sie selbst handeln können. Das «InfoNet», das Biovision noch in diesem Jahr lancieren wird, bietet im Internet eine umfassende Informations-Plattform über ökologischen Landbau.

Biovision ist eine kleine Organisation im Vergleich zur riesigen FAO. Doch was wir längst erkannt haben, scheint nun langsam nach oben zu dringen, und das ist wichtig. Es braucht eben die Vorreiterrolle der Pioniere, um die Dinge ins Rollen zu bringen. Wir werden unseren Weg der ökologischen Entwicklungshilfe konsequent weiter verfolgen – im Kleinen, wie im Grossen.

Herzlich

Hans Rudolf Herren
Präsident Biovision

/* End of File */