Kenianische Bauernberaterin auf Studienreise in Andeer

Die Geschichte begann vor gut vier Jahren: Damals besuchte Su Kahumbu, eine kenianische Farmerin und Inhaberin eines Bioladens in Nairobi auf Einladung von Biovision verschiedene Biobetriebe in Graubünden. In Kenia berät Kahumbu afrikanische Bäuerinnen und Bauern  und beantwortet etwa im Biovision-Magazin “The Organic Farmer” Fragen rund um die biologische Landwirtschaft. Kürzlich war die Kenianerin nun abermals zu Besuch, um noch mehr über das Bauernhandwerk und die Verarbeitung von Fleisch und Milch in Graubünden zu lernen.

Kurze Transportwege und Top-Qualität

In der Metzga ViamalaPeter_Luethi-Biovision_Su-Kahumbu_IMG_1412 in Andeer wurde sie von Carlo Klein erwartet. Der Produktionsleiter des Genossenschaftsbetriebes „Metzga Viamala“ parierte jede ihrer unzähligen Frage mit kompetenten Antworten. Er berichtete über die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen den hiesigen „Farmern“ und betonte, dass die kurzen Transportwege ein grosser Vorteil sowohl für die Viehhalter als auch für ihre Tiere sei. „Das ermöglicht es praktisch allen Landwirten, ihr Vieh selber in die Metzgerei zu bringen. So bleiben die Tiere bis zuletzt vor unnötigem Stress verschont, “ so Klein.

Su Kahumbu war besonders fasziniert von der Räucherei und der kleinen Trocknerei in Andeer. Der junge Metzger gab ihr – notabene in Englisch – tiefe und aufschlussreiche Einblicke in sein Handwerk und verriet ihr gar einige seiner sonst streng gehüteten Geheimnisse. Die Kenianerin war beeindruckt von seinem ausgesprochenem „Feeling“ im Umgang mit dem Fleisch und von seiner Leidenschaft für seinen Beruf.

Klein aber fein!

„Hard work!“ meinte sie am Schluss des Schnellkurses anerkennend und Carlo Klein antwortete postwendend: „This is my life!“ – was wohl ein guter Teil seines Erfolgsrezepts sein dürfte. Reich beschenkt mit neuem Wissen, aber auch mit Fleischgewürzen und einer Auswahl erlesener Fleischspezialitäten verliess Su Kahumbu abends die Metzga Viamala. Und der junge Metzger freute sich über eine Einladung auf ihren Betrieb in Nairobi. Die sollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen. Denn Su Kahumbu ist bekannt dafür, dass sie neues Wissen sofort in die Tat umsetzt – in diesem Fall wohl nach dem Motto „Klein aber fein“.

Die Kunst des Käsens

Am letzten Tag ihrer diesjährigen Bio-Tour in Graubünden liess es sich Su Kahumbu nicht nehmen, bei Maria und Martin Bienerth in der Sennerei Andeer hinein zu schauen. Bienerths hatten der Kenianerin bereits vor fünf Jahren eine Einführung in die Kunst des Käsens gegeben. „Wir haben sehr viele Besucher hier, berichtet Martin Bienerth. „Wenn jemand zum zweiten Mal kommt, so spricht das für echtes Interesse.“ Den Beweis dafür blieb ihm Su Kahumbu nicht schuldig: Prompt zeigte sie ihm Fotos ihres Kellers in Nairobi mit schönen Käselaiben – made in Kenia.

Text: Anna Christina Heinz, Bäuerin in Sufers

Food Security and Sustainable Agriculture in Rio+20

The UNCSD Rio+20 Conference’s declared goal of Sustainable Development through a “balanced consideration of social, economic and environmental goals and objectives in both public and private decision-making” cannot be achieved without including food security and sustainable agriculture as one of its most critical topics.

Current agricultural policy and governance fall short of contributing to sustained food security, the eradication of poverty and sustainable rural development. The reasons are numerous: diverging views on the future of agriculture and consequently a lack of financial and political commitment; the lack of a well-coordinated initiative no global level to implement sustainable agriculture; economic, social and ecological benefits of sustainable agriculture have not been duly considered in policy making.

A paradigm shift in agricultural policies and practices towards sustainable agriculture is necessary. It is in fact the only viable solution, if agricultural produce is to be increased to feed a growing world population in the long run, under the given circumstances of degraded soils, dwindling water reserves, loss of biodiversity, climate change and high dependence on finite natural resources.

The timing for change is excellent: The UNCSD Rio+20 Conference presents the opportunity for the international community to acknowledge the critical role Sustainable Agriculture for Sustainable Development and the Conference theme Green Economy, and to finally take action for its implementation, especially within the Conference theme of the Institutional Framework. The necessary knowledge and know-how for a change exists and was put forth for example in the 2009 IAASTD Assessment or UNEP’s Green Economy Report 2011.

What would be a meanigful outcome to deliver the urgent change we need?

1. Mandate an International Organization to propose actions to implement sustainable agriculture and food security based on the findings of relevant reports such as the International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD).

2. Strengthen the scientific basis for political action on sustainable agriculture and food and security by inviting an existing body to conduct a regular, intergovernmental, participatory, and multi-stakeholder assessment of agricultural knowledge, science, and technology, while taking into account pre-existing processes.

Please refer to our Position Paper [PDF] or Michael Brander, Project Coordinator “Changing Course in Global Agriculture” [PDF], for more information.

Aus dem Leben von Lucy Wanijru

«Früher hatten wir hier genug Regen und gute Ernten», erinnert sich Lucy Wanijru, eine sechzig jährige Bäuerin aus Kigio in Zentralkenia. «Ich konnte die Überschüsse auf unserem Lokalmarkt oder sogar in der nahen Stadt Thika verkaufen. Es reichte zum Leben und auch für die Schule unserer drei Kinder.»

Lucy-Wanjiru Biovision Blog

Aber dann starb ihr Mann an Leberkrebs. Das war 1982. Von da an wurde ihr Leben immer schwieriger. Sie musste die Kinder aus der Schule nehmen, weil sie das Geld für die Gebühren nicht mehr aufbringen konnte. Zudem hatte sie immer wieder schlechte Ernten, weil der Regen zusehends unberechenbarer wurde. «In extremen Jahren war die Ernährungslage so schlimm, dass der Staat Nahrungsmittelhilfe an Alte und Weisenkinder leistete.» Frau Wanijru wurde jeweils nicht berücksichtigt, und so gab es für ihre Familie anstelle von drei täglichen Mahlzeiten nur noch abends etwas zu essen. «Die Kinder weinten. Sie hatten Hunger und Bauchschmerzen, und sie verloren an Gewicht», erzählt sie mit bitterer Stimme.

Heute sind ihre Tochter und die beiden Söhne erwachsen und verheiratet. Aber 2004 erlag eine der Schwiegertöchter einer Hirnhautentzündung und liess sechs Kinder zurück. Lucy holte die Enkel zu sich, weil ihr Sohn sein Auskommen als Gelegenheitsarbeiter sucht und meistens weg ist. Seither tut sie alles für ihre Grosskinder. Aber sie blickt mit Sorgen in die Zukunft. «Ich werde älter und meine Kräfte lassen nach» gesteht sie. «Ich weiss nicht, wie ich es schaffen soll.» Doch Frau Wanijru hat keine Wahl und packt ihr Schicksal. Seit 2010 besucht sie Kurse über nachhaltige Landwirtschaft. In diesen praxisbezogenen Trainings, die von Biovision finanziert und vom Kenyan Agricultural Research Institute (KARI) betreut werden, erlernte sie die Herstellung von Kompost und die biologische Bekämpfung von Maisschädlingen. Lucy Wanijru ist sehr interessiert am biologischen Landbau – nicht zuletzt darum, weil Kunstdünger und Agrochemikalien für sie unerschwinglich geworden sind. Zudem hat sie erfahren, dass selbst bei Regenmangel ausreichende Erträge möglich sind, wenn der Ackerboden tief genug umgegraben und mit Kompost angereichert wird. Frau Wanijru ist denn auch zufrieden mit dem Projekt: «Es ist sehr hilfreich», meint sie. «Ich konnte die Ernte im Mais und den Milchertrag erheblich steigern. Damit kommen meine sechs Enkel und ich über die Runden».

Interview der Woche 51: Flurina Wartmann, Programmmitarbeiterin bei Biovision

Bild 16Biovision unterstützt ein Projekt zur Kamelhaltung in Nord-Kenia, denn Kamele bieten den Menschen auch in Dürrezeiten eine Überlebensgrundlage. Durch die Bekanntheit der drei Könige haben Kamele auch bei uns eine starke Symbolkraft, nicht nur an Weihnachten. Flurina Wartmann arbeitet als Programmmitarbeiterin für Biovision.


Welche Ziele werden im Kamel-Projekt verfolgt?

Die Menschen in den trockenen und halbtrockenen Gebieten im Norden Kenias sind hauptsächlich Viehhalter. Durch die immer wiederkehrenden Dürren sterben allerdings ihre Rinderherden, weil die Tiere zu wenig Wasser und Futter finden. Die Folgen sind Armut und Hunger für die Bevölkerung, die von der Nahrungsmittelhilfe abhängig wird. Um die Ernährungssicherung zu verbessern und den Familien eine eigenständige Entwicklung zu ermöglichen, finanziert die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) den Aufbau von Kamelhaltung in Nord-Kenia. Die lokalen Partner vor Ort, Véterinaries Sans Frontières Suisse (VSF) konnten so an 300 Haushalte je 1 weibliches Kamel und 5 Ziegen abgeben. Die Ziegen helfen den Familien sofort und sind sozusagen das Haushaltsgeld, da sie wichtige Milch liefern und in der Not geschlachtet werden können. Das Kamel ist eine längerfristige Investition in die Zukunft der Familie, also eine Art Bankkonto. Kamele werden überaus wertgeschätzt, unter anderem als Lasttiere. Sie liefern hochwertige Milch, die der Familie in Notzeiten über die Runden hilft oder auf dem Markt verkauft werden kann.

Die Stiftung Biovision unterstützt die Initiative von VSF Suisse, indem wir Trainings und Informationsmaterial finanzieren, dank denen die neuen Kamelhalterinnen und Kamelhalter den richtigen Umgang mit ihren Tieren lernen. Bei meinem Besuch im vergangenen Juli konnte ich einem Training beiwohnen, an dem die Kamelhalterinnen und Kamelhalter lernten, wie Kamelstuten ihre Jungen zur Welt bringen und wie man sich dabei richtig verhält. Weitere Themen waren die korrekte Impfung von Kamelen und wie man ihnen ein Halfter anlegt.


Welche Vorteile haben Kamele?

Im Gegensatz zu Kühen sind Kamele viel besser an die harschen Bedingungen in Nord-Kenia angepasst. Sie überleben länger ohne Wasser und können so auch weite Strecken von Wasserstelle zu Wasserstelle zurücklegen, ohne zu verdursten. So können sie wesentlich längere Dürreperioden überstehen als Rinder. Kühe sind auf Gras angewiesen und grosse Herden überweiden ein Gebiet sehr schnell. Kamele hingegen sind genügsamer und ernähren sich zum Beispiel von Akazienblättern und Blättern dorniger Sträucher, welche Kühe verschmähen. Mit ihren harten Hufen hinterlassen Rinderherden regelrechte Trampelpfade. Die Kamele mit ihren weichen Sohlen schonen die empfindlichen Böden. Damit sind Kamele ideal angepasst an die Bedingungen in Nord-Kenia und eine gute Alternative zur Rinderhaltung.


Inwiefern unterscheiden sich die behirteten von wilden Kamelen?

Ein gutes Beispiel diesbezüglich ist Australien: Dort wurden Kamele als Lasttiere eingeführt und verwilderten, wodurch sie sich unkontrolliert vermehren. Die Pflanzen in Australien waren zudem auf solche Tiere nicht vorbereitet. Die Situation in Ostafrika ist völlig verschieden, dort hat die Kamelhaltung in gewissen Kulturen eine lange Tradition, beispielsweise in Somalia.


Welche Erfahrungen machen die Menschen in Nord-Kenia im Umgang mit den Tieren?

Die Menschen schätzen Kamele sehr, weil sie so genügsam sind und lange ohne Wasser auskommen. Die Trainings sind wichtig für die neuen Kamelhalterinnen und Kamelhalter, damit sie den richtigen Umgang mit den Tieren erlernen können. Die Teilnehmenden waren sehr wissbegierig und haben den Trainern viele spezifische Fragen gestellt. Bei den Trainings habe ich gemerkt, dass die Menschen ziemlichen Respekt vor den Tieren haben, weil sie so gross und stolz sind. Allerdings haben mir Frauen erzählt, dass sie sich vor Kamelen nicht fürchten wie vor Rindern. Sie hätten Angst, eine Rinderherde zu hüten, denn wenn diese verängstigt wird, können sie die Frauen zertrampeln. Kamele seien weniger ängstlich und liessen sich leichter hüten, meinten die Frauen.

Interview der Woche 50: Rolf Gloor vom “Cabesi Market Place” in Kenia

Bild 9Das Projekt “Cabesi” fördert die Honig- und Wildseideproduktion und deren Vermarktung. Die Bevölkerung wird darin unterstützt, ihre Einkommensquellen auszubauen, sowie ihr Wissen in der Honigproduktion und in der Wildseidebewirtschaftung zu erweitern. Rolf Gloor ist Projektkoordinator.


Ihr produziert unter anderem Seifen aus Bienenwachs. Wie lange schon?

Seit April 2010. Vorher haben wir sechs Monate in die Produktentwicklung investiert.


Wie sehen die Produktionsschritte aus?

Zuerst gilt es Bienenwachs, Cornoil, Sonnenblumenöl und Kokosnussöl zu schmelzen und zu mischen. Danach muss Sodium in Wasser aufgelöst werden. Die beiden Lösungen werden dann gemischt und gerührt, bis die Mischung kalt ist. Diese wird anschliessend in Formen abgefüllt. Die fertigen Seifen müssen eine bis zwei Wochen ausreifen, bevor sie im Biovision-Shop verkauft werden können.


Welche anderen Cabesi-Produkte gibt es?

Wir produzieren verschiedene Honigsorten, Bienenwachskerzen, Propoliscreme, Honig von stachellosen Bienen, sonnengetrocknete Mango, Glasperlenstickerei auf Ziegenleder (von Grusskarten bis zu gerahmten Bildern) und auf Bienenwachs basierenden Möbelwachs.