Beiträge von David Fritz

Nachhaltigkeitsprüfung

Nachhaltigkeitsprüfung unseres Tsetse Projekts in Äthiopien

Nach unserer erfolgreichen Kampagne gegen die Tsetse-Fliege im Gibe-Tal in Äthiopien von 2005 bis 2008 mit den damals neu entwickelten Fliegenfallen, haben wir jetzt ein neues Projekt lanciert um zu testen, wie nachhaltig die Aktion von damals war.

Wie unser Projektverantwortlicher Dr. Samuel Ledermann nach seiner Reise in das betroffene Gebiet im Januar berichtete, haben Wissenschaftler vom internationalen Insektenforschungsinstitut icipe 80 neue Fallen im Abstand von 500 Metern aufgestellt. Sie messen nun, wie weit die Tsetse-Fliege sich vom Fluss her wieder in Richtung Weideland verbreitet hat. Zudem entnehmen sie den Tieren auf den Weiden Blutproben um festzustellen, ob sie wieder Träger des Erregers der Schlafkrankheit geworden sind.

Während der ersten Kampagne wurde das gesamte Weidegebiet bis nahe an den Fluss Gibe hinunter von Tsetse-Fliegen befreit. Aber da das Vieh immer wieder mal an den Fluss geführt wird, muss sehr genau kontrolliert werden, ob sich die Tsetse-Fliege und die Schlafkrankheit nicht wieder ausbreiten.

Ziel ist eine wissenschaftliche Bestätigung der Nachhaltigkeit der ersten Kampagne um entsprechende Anpassungen für dieses und ähnliche Projekte vornehmen zu können. Vor jener Kampagne war der Viehbestand der Bewohnerinnen und Bewohner des Gibe-Tals von der Schlafkrankheit massiv dezimiert worden und hatte den Menschen ihre Lebensgrundlage weitgehend entzogen. Mit dem erfolgreichen Kampf gegen die Tsetse-Fliege und der zusätzlichen Vermittlung von Wissen zu ökologischem Landbau wurde die Nahrungssicherheit und Lebensqualität in der Region massiv verbessert.

Über die Resultate der Nachhaltigkeitsprüfung werden wir in zwei bis drei Monaten berichten können.

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Kein Glaubenskrieg zu Lasten der Hungernden

Der 2008 erschienene Weltagrarbericht zeigt einen klaren Weg auf um Hunger und Armut zu bekämpfen und eine gerechte und sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung unserer Welt zu ermöglichen. Doch mit der Umsetzung der Empfehlungen tun sich die Entscheidungsträger schwer – nicht zuletzt wegen der Ideologisierung der Diskussion.

Daran sind auch die Befürworter nicht unschuldig, indem sie die Empfehlungen von hunderten von Experten, die am Bericht über sechs Jahre mitgearbeitet haben, auf die Prinzipien des Biolandbaus reduzieren. Und diese Prinzipien würden ein relativ enges Korsett bilden, ohne den grossen regionalen Unterschieden der sich stellenden Herausforderungen genügend Rechnung zu tragen. Deshalb propagiert der Weltagrarbericht einen agrar-ökologischen Ansatz, der einerseits sehr viel weiter gefasst ist als der zertifizierte Biolandbau und im Einzelfall sogar den Einsatz von integrierten Schädlingsbekämpfungsmassnahmen mit Pflanzenschutzmitteln zulässt. Andererseits konstatiert der Weltagrarbericht sehr klar, dass industriell angelegte Monokulturen von gentechnisch vereinheitlichten Pflanzen nach wie vor nicht die Resultate liefern können, die man sich erhofft hatte. Dies ist auch heute, fast fünf Jahre nach der Publikation des Berichts, noch der Fall.

Das Agribusiness wiederum sieht in ökologischen Ansätzen vorgestriges Denken und lehnt aus offensichtlichen Gründen Lösungsansätze ab, die den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern grössere Autonomie bescheren. Solche Ansätze sind mit dem Geschäftsmodell des Agribusiness nicht vereinbar: Jahr für Jahr gentechnisch manipulierte oder hybride Samen zu verkaufen, dazu den passenden Kunstdünger und Pestizide.

Im Kampf zwischen diesen beiden Lagern darf das eigentlich Ziel des Weltagrarberichts nicht aus den Augen verloren gehen: Alle Menschen dieser Welt gesund zu ernähren; heute, aber auch dann wenn die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9 Milliarden gestiegen ist.

Der pragmatische, agrar-ökologische Ansatz des Weltagrarberichts ist vielversprechend, wenn wir den Hunger auf unserem Planeten eliminieren wollen. Durch seine relative Offenheit können viele lokal angepasste Lösungen innerhalb seines Konzeptrahmens entwickelt werden. Er umfasst viele traditionelle, und aus traditionellen Ansätzen heraus entwickelte Landbaupraktiken. Agrarforstwirtschaftliche Systeme, pfluglose Bodenbearbeitung und verschiedene Biolandbau-Verfahren und –Techniken gehören auch zum Repertoire.

Aber der Ansatz des Weltagrarberichts ist auch sehr wissensintensiv. Nur mit fundiertem Wissen werden pragmatische Lösungen nicht zu beliebigen und opportunistischen Auswegen. Und das Wissen muss bis an die Basis weitergereicht werden um effektiv eingesetzt und partizipativ weiterentwickelt werden zu können. Und da liegt ein entscheidendes Problem: Wer ist bereit, in Forschung zu investieren, die nicht patentierbar ist und somit auch nicht das grosse Geld bringt, sondern weitere Investitionen in die Wissensaufbereitung und -verbreitung an eine strukturbedingt arme Zielgruppe bedingt? Gleichzeitig führt kein Weg an den Kleinbäuerinnen und –Bauern vorbei, wenn wir die globale Nahrungssicherheit erreichen wollen.

Der wissenschaftliche Ansatz ist zentral für die globale Akzeptanz des vorgeschlagenen Weges. Wenn die Richtung, die der Weltagrarbericht vorgibt, auf eine Weltanschauung reduziert wird, dann haben die zahlreichen Gegner ein leichtes Spiel, den Zug zu stoppen. Deshalb dürfen Lösungsansätze auf keinen Fall aus ideologischen Gründen verworfen werden, sondern nur, wenn sie sich nach eingehender Prüfung als nicht zielführend erweisen. Natürlich ist auch die Wissenschaft letztlich von Weltanschauungen beeinflusst und die gesellschaftliche Vorliebe für technische Lösungen steht im Gegensatz zu vielen Vorschlägen des Weltagrarberichts, die eher eine Rückkehr zu einfachen, aus der Natur abgeleiteten nachhaltigen Methoden propagieren.

Diesen Konflikten kann man nur entkommen, wenn das Hauptziel bei der Suche nach Lösungen immer im Fokus bleibt: Gesunde Nahrung für alle, natürlich!

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